Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Fachwirt(in) für Medien- und Informationsdienste

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und die Gewerkschaft ver.di haben mit  der DIHK-Empfehlung für die Fortbildungsprüfung zum Fachwirt für Informationsdienste eine Weiterbildung auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (BBIG § 54) geschaffen, die von den zuständigen Stellen der einzelnen Bundesländer in Form einer Fortbildungsprüfungsregelung erlassen werden kann. Die Bundeseinheitlichkeit einer solchen Weiterbildung kann nach § 53 BBIG allerdings nur durch eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erlassene Rechtsverordnung gesichert werden.

Bisher wurden Prüfungsordnungen im Bereich der Privatwirtschaft von der Handelskammer Hamburg [1] und der IHK für München und Oberbayern [2] und im Bereich des öffentlichen Dienstes vom Regierungspräsidium Gießen in Hessen [3] erlassen. Beim Bund [4] wurde die Prüfungsordnung im Herbst 2009 vom Bundesverwaltungsamt, der zuständigen Stelle des Bundes, erlassen und im Februar 2010 veröffentlicht [5]. Derzeit arbeitet eine Expertengruppe aus dem ABD-Bereich am Curriculum, intendierter Zeitpunkt für den Beginn der Fortbildung ist Herbst 2012. Das Verwaltungsseminar Frankfurt am Main ist die erste Einrichtung, die seit Januar 2009 auf der Grundlage der hessischen Prüfungsordnung einen berufsbegleitenden Fortbildungslehrgang anbietet [6]. In Planung ist eine entsprechende Regelung bei der zuständigen Stelle des öffentlichen Dienstes in Niedersachsen [7].

Ein kurzer Bericht von Karin Holste-Flinspach, Kristina Lippold und Ilsabe Schröder über die derzeitigen Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für FaMIs erschien in BuB 63 (2011), Nr. 4, S. 254-257:

Ein ausführlicher Bericht von Wiltraut Zick und Karin Holste-Flinspach ist in BuB 62 (2010), Nr. 7/8, S. 536-542 erschienen:

Ein tabellarischer Vergleich der Prüfungsordnungen aus Hessen, vom Bund und der DIHK-Empfehlung findet sich hier:

Einen chronologischen Abriss des Entwicklungsprozesses beim Fachwirt auf dem Stand von 2006 lieferte Karin Holste-Flinspach in folgendem Artikel:

Über Zulassungsvoraussetzungen, Prüfungsinhalte und Alternativen auf dem Stand von Oktober 2005 berichtet Wiltraut Zick:

Kristina Lippold beleuchtet die neue Weiterbildung unter den Gesichtspunkten der monetären Erwartungen etwas näher: Der Fachwirt für Medien und Informationsdienste: Tarifliche Betrachtungen .

Nach dem Erlass der DIHK-Empfehlung für die Fortbildungsprüfung zum Fachwirt für Informationsdienste entbrannte in der Berufsöffentlichkeit eine Diskussion. Auf zwei Informationsveranstaltungen im März 2005 (eine Weiterbildungsveranstaltung an der FU Berlin und eine Diskussionsveranstaltung auf dem Bibliothekartag in Düsseldorf) wurde von verschiedenen Seiten über den Stand der Dinge berichtet. Die geplante Weiterbildungsmaßnahme wurde im Plenum jeweils kontrovers diskutiert.
Der folgende Beitrag von Wiltraut Zick fasst den Stand der Diskussion aus dem Jahre 2005 zusammen:

Beim 3. Leipziger Kongress hat Karin Holste-Flinspach in der Veranstaltung "Aus- und Fortbildung der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste" am 20.3.2007 in ihrem Vortrag die Rahmenbedingungen und den Fächerkanon für die Fachwirtweiterbildung und den Fernstudiengang der FHS Potsdam gegenübergestellt.

Position des Berufsverbandes zum Fachwirt

Der Berufsverband Information Bibliothek sieht klar die Notwendigkeit, Beschäftigten der mittleren Qualifikationsebene in Bibliotheken und verwandten Einrichtungen die Möglichkeit einer anerkannten Weiterqualifizierung zu eröffnen. Der BIB unterstützt deshalb Bestrebungen zur Schaffung entsprechender Qualifizierungs- bzw. Aufstiegsmöglichkeiten.

Der von ver.di und DIHK angestrebte Fachwirt mit dem Abschluss "Fachwirt für Archiv-, Bibliotheks- und Dokumentationsmanagement" ist für den BIB jedoch aus mehreren Gründen problematisch:

Der BIB hat folgenden Beschluss gefasst:
Das Verfahren zur Implementierung des "Fachwirtes für Informationsdienste" (ver.di/DIHK) wird vom BIB aus den oben angeführten Gründen nicht mitgetragen. Diese Empfehlung geht auch an den bibliothekarischen Dachverband. Um den FaMIs zukünftig eine qualifizierte Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeit zu eröffnen, wird der BIB über die Konferenz der informatorisch-bibliothekarischen Ausbildungsstätten im DBV (KIBA) die Entwicklung entsprechender Angebote an den einschlägigen Fachhochschulen anregen und unterstützen.

Weitere bibliothekarische Fachverbände und die deutschen Archivare sehen das genau so: Bibliothek und Information Deutschland (BID) und der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) haben dazu am 30.6.2006 eine gemeinsame Pressemitteilung herausgegeben.



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