Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Veranstaltungen der OPL-Kommission auf dem Bibliothekartag 2012 in Hamburg

Mittwoch, 23.05.12: Workshop "Linksammlungen pflegen und nutzen für OPLs mit academic linkshare"

Frank Merken beim Moderieren

Der erste der beiden Workshops, die wir in Hamburg angeboten haben, sollte von Jens Wonke-Stehle, SUB Hamburg zusammen mit Jürgen Plieninger, Tübingen angeboten werden. Leider war Jürgen Plieninger krank geworden. Er hatte aber seine inhaltlichen Punkte an Jens Wonke-Stehle weitergegeben, und Frank Merken, Wipperfürth sprang für die Moderation ein.

One-Person Libraries haben schon immer Wert auf die gute Erschließung relevanter Quellen gelegt und deshalb oft für ihre Einrichtung bzw. Klientel fachliche Linksammlungen erstellt. Da allerdings die Zeit stets knapp und die Pflege einer Linksammlung aufwändig ist, stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten von Kooperationen, um den Aufwand zu minimieren und dennoch eine bestmögliche Dienstleistung anbieten zu können. Hier bietet sich Academic Linkshare als Plattform an, ein Angebot, welches als Kooperation von Virtuellen Fachbibliotheken entstanden ist und stetig ausgebaut wird. Die jüngste für OPLs interessante Erweiterung, das Content Syndication Tool, ermöglicht es, Teile des Academic Linkshare-Bestands ohne besondere technische Herausforderungen in beliebige Webseiten einzubinden. 

Im Workshop wurden in Vortrag und Diskussion die folgenden Themen behandelt:

1. Einsatzgebieten und Konzeption von Linksammlungen

2. Konzeption und Handhabung von Academic Linkshare.  

3. Weiterentwicklungen und Kooperationsmöglichen für OPLs

Die Veranstaltung fand in der Staats- und Universitätsbibliothek im EDV-Schulungsraum am Mittwoch nachmittag statt. Fünfzehn Kolleginnen und Kollegen nahmen teil und konnten sich ganz praktisch an den Geräten einen Eindruck über die Vielfältigkeit der Einträge in der Linkdatenbank von Academic Linkshare verschaffen.

Jens Wonke-Stehle bei der Vorstellung von Academic Linkshare

Kommissionsmitglieder zwischen den Terminen, v.l.n.r.: Frank Merken, Regina von Berlepsch und Werner Tussing. Katrin Lueck hielt die Kamera; Denise Digrell und Jürgen Plieninger waren leider krank.

Donnerstag 24.05.12: Hauptveranstaltung: Das Robinson-Crusoe-Syndrom und was man dagegen tun kann

Full House bei der "Robinson"-Veranstaltung: Das Thema Crowdfunding und die Praxisvorträge stiessen auf großes Interesse

Donnerstag nachmittag fand dann unsere Hauptveranstaltung statt, die wie immer unter dem Motto des Robinson Crusoe-Syndroms stand: Was kann man als Einzelkämpfer/in tun, um die Bibliothek voranzubringen? Die Veranstaltung (bibliothekartagsdeutsch: "Session") bestand aus einem Vortrag und Diskussion und zwei Praxisvorträgen.

Ilona Munique beim Vortrag

Für den Hauptvortrag hatten wir Ilona Munique, Vorsitzende der Fortbildungskommission des BIB und von Das WEGA-Team, Bamberg gewinnen können. Sie sprach zu einem recht neuen Thema,

Finanzierung 2.0 + Marketing 2.0 = Crowdfunding von Bibliotheksprojekten"

Crowdfunding bedeutet „Schwarmfinanzierung”. Es ist ein risikoloses Mittel, Bibliotheksprojekte aller Art zu verwirklichen. Basierend auf IuK-Systemen, vorzugsweise auf Web 2.0-Plattformen, unterstützen Fans und Supporter mit oder ohne Geldspenden ein Bibliotheksprojekt. Auf Wunsch erhalten sie eine von der Bibliothek festgelegte Gegenleistung der ideellen oder monetären Art. Das „Alles-oder-nichts-Prinzip“ dahinter: wird das Finanzierungsziel innerhalb einer bestimmten Zeit nicht erreicht, erhalten die Spender den Einsatz zurück.

Crowdfunding sichert außerdem (online-)mediale Aufmerksamkeit, indem Projekte noch während ihrer Entstehungsphase öffentlich bekannt gemacht werden und eine Feedbackmöglichkeit erfahren. Crowdfunding ist Social Networking mit handfester Wirkung. Die Unterstützung erfolgt durch Privatpersonen oder Firmen, wobei besonders Letztere von der Kommunikationsleistung der Bibliothek profitieren – ähnlich wie beim Sponsoring. Doch auch Eigenanteile oder externe Förderungen sind teilweise möglich, um das Finanzierungsziel zu erreichen.

Wer mehr über den Inhalt des Vortrages von Ilona Munique erfahren möchte, kann dies problemlos anhand ihrer überarbeiteten Folien auf dem BIB-OPuS-Server tun.

Danach stellten zwei Kolleginnen ihre Bibliothek(spraxis) vor:

Cornelia Lutter, Aachen beim Praxisvortrag

Cornelia Lutter, Geologisches Institut der RWTH Aachen, Bibliothek 

Praxisvortrag 

Kommissionsmitglied Katrin Lück stellt ihre Bibliothek vor

Katrin Lück, Europa-Institut / Bibliothek 

Praxisvortrag

Geschätzt und unverzichtbar

Die Bibliothek des Europa-Institut gibt es schon seit 1951, als die Universität des Saarlandes noch im Zeichen der Verschmelzung von französischer und deutscher Bildungstradition stand, und das Europa-Institut noch ein fakultätsunabhängiges Institut war. Hatten es ehemals viel französischsprächige Literatur, die Schwerpunkte Lateinamerika und Afrika, ist es inzwischen rein völkerrechtlich und europarechtlich ausgerichtet, abgestimmt auf die Inhalte der Lehrveranstaltungen und die Bedürfnisse der Mitarbeiter des Instituts. Mittlerweile gehört das Europa-Institut auch  zur Fakultät 1 - Rechtswissenschaften und bietet einen einjährigen Aufbau- und Masterstudiengang "Europäische Integration" mit dem Abschluss LLM an, der jährlich von fast 100 Studierenden, meist fertige Juristen, aber auch Ökonomen, Politikwissenschaftler... aus zahlreichen Nationen absolviert wird.

Das Team der Bibliothek ist stark in die Betreuung der Studierenden eingebunden, zum einen mit der klassischen Pflege des Bestandes - 52000 Bände, 150 laufende Zeitschriften und 40 Fortsetzungswerken, aber fast noch mehr in die Schaffung von idealen Arbeitsbedingungen für die "zahlende" Klientel. Das bedeutet, neben der Beschaffung aller benötigten Literatur - notfalls über die Fernleihe, der Schaffung einer angenehmen Arbeitsatmosphäre mit grosszügigen Öffnungszeiten, der intensiven Einführung in die Nutzung der Bibliothek, führt die Leitung der Bibliothek Jahr für Jahr die Studierenden in alle Facetten des wissenschaftlichen Arbeitens ein.

Der Hintergrund: Die Studierenden haben ihr Studium in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Prüfungssystemen absolviert und es machen sich gravierenden Unterschieden im Hinblick auf die Fähigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens bemerkbar, und der Bibliothekarin obliegt die schwierige aber sehr interessante und besonders geliebte Aufgabe, die Studierenden da abzuholen, wo sie sich befinden und alle auf den gleichen Stand zu bringen. Die zahlreichen Veranstaltungen werden paritätisch in deutsch und englisch abgehalten, auch die Bestandserweiterung trägt diesem Umstand übrigens Rechnung.

In ihrer Eigenschaft als Europäisches Dokumentationszentrum sammelt die Bibliothek natürlich auch zahlreiche Veröffentlichung in den 23 Amtssprachen der europäischen Union und kommt auch hier der Aufgabe nach, nicht nur Studierenden sondern allen Interessierten, denen die Bibliothek ebenfalls offen steht, die Suche von Literatur über Europa und von europäsichen Institutionen zu ermöglichen und zu erleichtern.

Der ausgesprochen Dienstleistungsgedanke und die starke und gute Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern des Hauses hat sich für die Bibliothek über die Jahre als hilfreich und wichtig erwiesen und wird Jahr für Jahr stärker ausgebaut und hat sie zum geschätzten und unverzichtbaren "Kleinod" der Institution werden lassen.

 

 

Donnerstag, 24.05.12: Workshop "Crowdfunding"

Ilona Munique und die Teilnehmerinnen des Workshops

Unsere Idee war, mit dem zweiten auf dem Bibliothekartag angebotenen Workshop das Thema des Hauptvortrages praktisch zu vertiefen. Ilona Munique wollte mit praktischen Übungen die Informationen und Kenntnisse vertiefen und Tipps zur praktischen Umsetzung geben.

Leider fand der Workshop nicht so viel Zuspruch - der Donnerstag nachmittag war ein hart umkämpftes Terrain der verschiedensten Sessions und Themen, ausserdem hatten leider Kolleginnen wieder absagen müssen, die nicht nach Hamburg kommen konnten. So gab es denn in überschaubarer Runde die gute Gelegenheit zu einem intensiven Austausch über den Einsatz der neuen Finanzierungs- und Marketingtechnik.

Freitag, 25.05.12: OPL on Tour"

Die Sonne schien, als die kleine Gruppe tourender OPLer nach eine entspannten kleinen Spaziergang durch den gepflegten Stadtteil Rotherbaum beim Institut für die Geschichte der deutschen Juden ankam.

1. Station: Die Bibliothek des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden.

Als erstes durften wir eine- besser gesagt die -Spezialbibliothek zur deutsch-jüdischen Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums besichtigen. Die Forschungsbilbiothek des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden residiert in einem sehr imposanten historischen Gebäude im schönen Hamburger Stadteil Rotherbaum. Das ehemalige Finanzamt wurde 1956 Kulisse des deutschen Spielfilms Hauptmann von Köpenick.

Die Präsenzbibliothek hält einen umfangreichen Bestand an Judaica vor, aber auch eine große Sammlung an Hebraica und etwa 700 in- und ausländische Periodika.  Nicht nur wir durften unter der sehr kenntnisreichen und informativen Führung von Frau Küther die hellen Räume der Bibliothek betreten, sie steht auch sonst der interessierten Allgemeinheit zur Verfügung. Die fast 50.000 Bänden und der  umfangreiche Zeitschriftenbestand sind in unterschiedlichen Räumen und Stockwerken des Gebäudes untergebracht und seit 1997 auch über den Online-Katalog der Universitätsbibliothek Hamburg recherchierbar.

Den Lesesaal teilt die Bibliothek sich mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte. Ein kleiner Teil des Bestandes fristet ein von Feuchtigkeit bedrohtes Dasein in den Kellern des Hause. Der überwiegende Teil des Bestandes aber  befindet sich in einem auch für die Nutzer zugänglichen Magazin im Ergeschoss des Gebäudes, wo wir auch gleich die Chance hatten die zahlreichen Veröffentlichungen des Instituts näher zu betrachten oder gar käuflich zu erwerben. 

Nach einem kurzen Blick in den Innenhof des herrschaftlichen Hauses, der zum Verweilen einlud, unsere Zeitplanung dies aber leider nicht zu ließ, verliesen wir den spannenden Ort und setzen unsere Reise quer durch Hamburg zum Stadteil Billstedt fort, um dort eine fast nagelneu Schulbibliothek in einem sogenannten Brennpunktbezirk zu besichtigen

Im hellen Lesesaal der Bibliothek erzählte uns Frau Küther die Geschichte des Instituts, gab uns eine Einführung in das Wirken und Arbeiten der Bibliothek.

Die im Freihandbereich ausgelegten institutseigenen Veröffentlichungen stießen auf großes Interesse bei den Besucherinnen.

Die nächste Station lag etwas ausserhalb ... aber auch hier durften wir noch bei herrlichen Sonnenschein durch ein ebenfalls entspannten Stadtteil spazieren, bevor wir von einer engagierten jungen Frau erwartet wurden.

Der Eingang zur Schule ...

Die Schulbibliothek der Grundschule Glinder Au ist eine Schulbibliothek die im Zuge eines Hamburger Pilotprojekts in 2010 gegründet wurde. Frau Timpe, eine junge engagierte Bibliothekarin, deren Arbeitsplatz leider kurz nach unserem Besuch unverständlichen Sparmaßnahmen zum Opfer fiel, empfing uns in einem schönen hellen Raum, teuer und geschmackvoll eingerichtet, mit Regalen voll mit Büchern, Kuschelecken...und eben noch fast wie neu.

Es war gerade Pause, als wir den großzügigen und freundlich eingerichteten Raum der Schulbibliothek betraten. Die Grundschule an der Glinder Au liegt in einem sogenannten Brennpunkt Hamburgs, mit all den damit verbundenen Porblemen, wie Sprachbarrieren, problematischen Familienstrukturen und dem mangelnden Interesse vieler Eltern an der Bildung und Entwicklung ihrer Kinder. Hier können die Kinder lesen, an den Gruppentischen malen und arbeiten und natürlich auch in einem separaten Raum, allerdings nur abgetrennt durch eine Glaswand, in Ruhe auch in den dort bereitgestellten Computern ins Internet gehen.

Mit uns rauschten gleich zwei kecke Mädchen herein, die zielbewußt auf ein Regal mit Büchern zusteuerten und sich mit dem gewünschten Buch von uns völlig unbeeindruckt am Fenster niederliesen und lasen. Frau Timpe berichtet, dass sie sich anfangs natürlich erst in die Strukturen der Schule einleben mußte, das Zusammenspiel mit den Lehrern üben mußte. Doch die Kinder kamen gleich gerne, nutzen die Bibliothek intensiv, sie hat zu vielen ein gutes und herzliches Verhältnis aufgebaut. Sie versucht die Kinder mit unterschiedlichen und angepassten Maßnahmen an das Buch, an das Lesen heranzuführen und berichtet von großen Erfolgen. Jede Klasse hat eine feste Bibliotheksstunde in der Woche, ansonsten können die Kinder in den Pausen und nachmittags die Bibliothek nach Lust und Laune benutzen. In den Ferien gibt es auch Bilderbuchkino, Mal - und Bastelangebote und Kinotage ( oder sollte man jetzt besser gab schreiben..............)

Der Zuhörer spürt, dass ihr die Kinder, die Bibliothek sehr am Herzen liegt, um so trauriger, dass das alles jetzt ein Ende gefunden hat. Die Lehrer sollen die Bibliothek jetzt weiterführen, aber wie, sie haben dafür eigentlich keine Zeit, sind auf Grund ihrer anspruchsvollen Klientel jetzt schon über die Maßen eingebunden....

 

 

Ein großer heller Raum, wo die Kinder lesen, ausruhen, malen und spielen können.



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