Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Bericht zum Bibliothekartag 2011

Der 100. Bibliothekartag vom 07. - 10. Juni 2011 stand im Zeichen der Superlative. Nicht nur weil der Tagungsort, das Estrel "Europas größter Convention-, Entertainment- und Hotel-Komplex" ist, sondern vor allem weil sich über 4.500 Bibliothekare-/innen aus über 40 Ländern angemeldet hatten.

Und inmitten dieser Schar: die OPL-Kommission. Während Jürgen Plieninger hinter den Kulissen arbeitete (dazu später mehr), waren Frank Merken, Werner Tussing, Regina von Berlepsch und Denise Digrell vor Ort bemüht den Überblick zu behalten - bei über 350 Veranstaltungen nicht immer einfach…

Aufgrund der vielen parallel laufenden Veranstaltungen war es unumgänglich sich aufzuteilen: während der Kommissionsvorsitzende Frank Merken Dienstagnachmittag an der Sitzung des Vereinsausschusses des Berufsverbandes Information Bibliothek (BIB) teilnahm, fuhren die Kommissionsmitglieder Werner Tussing und Denise Digrell nach Potsdam Babelsberg. Im Rahmen der OPL on Tour gab es dort eine Besichtigung der Bibliothek des Leibniz-Institutes für Astrophysik Potsdam (vormals Astrophysikalisches Institut Potsdam). Kommissionsmitglied Regina von Berlepsch empfing die 15 Teilnehmer(innen) und gab zuerst eine kurze Einführung in die wechselvolle Geschichte des Institutes. Auch wenn das Institut 1992 als Nachfolger des Zentralinstituts für Astrophysik der Akademie der Wissenschaften der DDR gegründet wurde, so reichen die Ursprünge bis zur 1700 gegründeten Berliner Sternwarte zurück.

Außenansicht der Bibliothek des Leibniz-Instituts für Astrophysik, Potsdam

Außenansicht der Bibliothek des Leibniz-Instituts für Astrophysik, Potsdam

Auch wenn vom heutigen Standort aus keine Sterne mehr beobachtet werden, so erinnert der Bibliotheksbau daran, dass hier früher ein Refraktor untergebracht war.

Innenansicht der Bibliothek mit den im Halbrund aufgestellten Holzregalen

Innenansicht der Bibliothek des Leibniz-Instituts für Astrophysik, Potsdam

 

 

Durch die vorgegebene Architektur ergab sich natürlich auch die Frage wie man in einer 'runden' Bibliothek am Besten und Effektivsten Bücher aufstellt. Aber wie Sie dem Foto entnehmen können, hat man hier eine sehr schöne Lösung gefunden.

 

 

 

 

Die dunklen Holzregale fanden bei den Teilnehmern der Bibliotheksbesichtigung großen Anklang und Kommissions­mitglied Werner Tussing hat sich persönlich davon überzeugt, dass auch in den oberen Regalen noch interessante Literatur zu finden ist.

Kommissionsmitglied Werner Tussing auf der Bibliotheksleiter

Kommissionsmitglied Werner Tussing auf der Bibliotheksleiter

Aber in einer Bibliothek mit den Kernbereichen Astrophysik und Astronomie gab es natürlich nicht nur Bücher sondern darüber hinaus z.B. auch astrofotografische (Glas)Platten, die gerade digitalisiert werden, historische astronomische Geräte und historische Sternenkarten zu sehen.

Nach Beendigung der gut 2-stündigen Führung ging es dann zurück nach Berlin, wo abends die offizielle Eröffnungsveranstaltung des Bibliothekartages stattfand.

Am Mittwoch, den 8. Juni gab es von 10.00-13.00 Uhr in den Räumen des Deutschen Institutes für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) den Workshop zu "Konflikt- und Gefahrensituationen in One Person Libraries" mit Dr. Martin Eichhorn. Dr. Eichhorn ist selbständiger Trainer, zertifizierte Fachkraft für Kriminalprävention, und war u. a. auch im Stab des Berliner Polizeipräsidenten tätig. Moderiert wurde die Veranstaltung von Regina von Berlepsch. Die 8 Teilnehmer(innen) schilderten Konfliktsituationen aus ihrem Berufsalltag, die gemeinsam mit dem Trainer analysiert wurden. Es wurden Lösungen gesucht und Techniken vermittelt, um Konflikte nicht eskalieren zu lassen. Die Teilnehmer erfuhren Wissenswertes über die Bedeutung der Körpersprache, über "Ich-Botschaften" und "Du-Botschaften" sowie weitere Handlungsmöglichkeiten (der 'böse bibliothekarische Blick' kann unter Umständen auch sehr wirksam sein) in Konfliktsituationen. Am Ende des Workshops waren sich alle einig, dass sie glücklicherweise lediglich Konflikte mit Benutzern haben und wirkliche Gefahrensituationen in der eigenen OPL bisher nicht vorgekommen sind. 

Ab 17.00 Uhr gab es dann im Estrel am Stand des BIB den schon traditionellen Empfang des Berufsverbandes, die "Blaue Stunde". Hier sehen Sie ein Foto des BIB Standes Stunden vor der blauen Stunde als alles noch ruhig war.

BIB Stand auf dem Bibliothekartag 2011 in Berlin

BIB Stand auf dem Bibliothekartag 2011 in Berlin

Am Donnerstag standen 2 Veranstaltungen auf dem Programm. Um 10.00 begann die Mitgliederversammlung des BIB wo unter anderem der neue Vorstand für die Amtszeit 2011-2014 gewählt wurde. Der neue Vorstand besteht aus: Tom Becker, Petra Kille, Petra Klotz, Kirsten Marschall (Vorsitz) sowie Sabine Stummeyer. Ein weiterer wichtiger Teil der Mitgliederversammlung betraf die Informationen zur neuen Entgeltordnung.

Im Rahmen der Pause gab es wie immer die Möglichkeit sich über die Arbeit der verschiedenen BIB-Kommissionen zu informieren. Hier sehen Sie den Kommissionsvorsitzenden Frank Merken und Kommissionsmitglied Denise Digrell vor dem Poster der OPL-Kommission, im Gespräch u. a. mit dem scheidenden Vorstandsmitglied Heike Meinhardt (m.).

Frank Merken und Denise Digrell vor dem Poster der OPL-Kommission im Gespräch u. a. mit dem scheidenden Vorstandsmitglied Heike Meinhardt (m.)

Frank Merken und Denise Digrell vor dem Poster der OPL-Kommission im Gespräch u. a. mit dem scheidenden Vorstandsmitglied Heike Meinhardt (m.)

Nach Ende der Mitgliederversammlung war noch Zeit für eine kleine spontane Kommissionssitzung im Hotelzimmer von Kommissionsmitglied Werner Tussing.

Auf dem Foto zu sehen sind Denise Digrell, Regina von Berlepsch sowie Frank Merken in entspannter Runde, während sie darauf warten dass Werner Tussing den versprochenen Kaffee bringt

Auf dem Foto zu sehen sind Denise Digrell, Regina von Berlepsch sowie Frank Merken in entspannter Runde, während sie darauf warten dass Werner Tussing den versprochenen Kaffee bringt

Um 16.00 Uhr ging es dann in Raum EEC 1 weiter mit der Robinson-Crusoe-Veranstaltung: "Die OPL als Embedded Library. Das Robinson-Crusoe-Syndrom und was man dagegen tun kann".

Anne Jacobs (Information Professional, ARQIS Rechtsanwälte, Düsseldorf) führte mit ihrem Vortrag in das Thema ein: Was ist eine "embedded library"? Sind OPLs grundsätzlich auch embedded libraries? Was sind die Vor- und die Nachteile als Bibliothekar(in) in einer Organisation eingebettet zu sein? Anschließend berichtete Frau Jacobs aus der Praxis als embedded librarian in einer Anwaltskanzlei. Zwei weitere Praxisberichte schlossen sich an: zum einen der Bericht aus einer universitären Spezialbibliothek (Lucia Hallas vom Meteorologischen Institut der Universität Bonn) und zum anderen der Praxisbericht aus einem ausländischen Kulturinstitut (Annekathrin Genest: "Extraterritorial - mitten in Berlin. Die Bibliothek des Polnischen Instituts Berlin"). Zwischen den einzelnen Beiträgen gab es die Möglichkeit Fragen an die Referentinnen zu stellen und die ca. 80 Teilnehmer(innen) nutzen diese Gelegenheit reichlich und es entwickelten sich rege Diskussionen und Gespräche.

Auf dem Foto sehen Sie (v.l.n.r.): Anne Jacobs, Lucia Hellas, Frank Merken (Moderator) und Annekathrin Genest

Auf dem Foto sehen Sie (v.l.n.r.): Anne Jacobs, Lucia Hellas, Frank Merken (Moderator) und Annekathrin Genest

Am Freitag wurde im Rahmen der OPL on Tour Berlin-Mitte die Besichtigung von zwei Berliner OPL-Bibliotheken angeboten. 

Um 9:30 Uhr trafen sich die Teilnehmer(innen) im Quartier 110-Gebäude in der Berliner Friedrichstraße in der Hertie School of Governance.

Nach der Begrüßung durch die Organisatorin Frau Corinna Haas führte die LIS (Library and Information Services) Managerin Michaela Jobb durch die Räumlichkeiten der privaten Hochschule und erläuterte dann das Konzept der Hochschule (Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, europäische Professional Scholl für Public Policy, Ausbildung junger Führungskräfte an der Schnittstelle zwischen öffentlichem, privatem und zivilgesellschaftlichem Sektor, Unterrichtssprache ist Englisch) und die Aufgaben der Bibliothek als zentrale Informationseinrichtung der Hochschule = Library and Information Services (Prinzip des Bestandes: Digital vor Print).

Anschließend ging es zu Fuß durch die Friedrichstraße, vorbei am Checkpoint Charlie zum Erinnerungsort „Topographie des Terrors” - dort befanden sich während des „Dritten Reichs” die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamts. Nach einer Einführung in die (Vor-)Geschichte Dokumentationszentrums lernten wir die Bibliothek der Stiftung Topographie des Terrors kennen: Präsenzbibliothek zu den Themenbereichen SS, Gestapo, Polizei im Nationalsozialismus, Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden und anderer Opfergruppen, Zweiter Weltkrieg, Erinnerungskultur nach 1945 u. a.

Dieser Erinnerungsort und die dokumentierte Dimension der NS-Schreckensherrschaft wirkt nachhaltig.

Anmerkung: Dieses Angebot im Programm des Bibliothekartages war sehr stark nachgefragt und sehr früh ausgebucht - es gab eine lange Warteliste. Umso ärgerlicher, dass von den 20 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur 10 (in Worten zehn) zur Exkursion erschienen.

Wie oben schon erwähnt, hat Jürgen Plieninger vor, während und nach dem Bibliothekartag hinter den Kulissen gearbeitet und unter anderem mehr als Hundert Vorträge auf den OPUS Server hochgeladen (http://www.bib-info.de/verband/publikationen/opus/berlin-2011.html).

Die Bibliothekartags-Aktivitäten der Kommission wurden auf der Homepage des BIB (http://www.bib-info.de/), den Kommissionsseiten und auf dem Weblog (http://service4opls.wordpress.com/) angekündigt. Da Jürgen Plieninger den Twitter- und den zur Konferenz zeitweilig eingerichteten Facebook-Account betreute, „streute“ er dort natürlich auch die Hinweise zu den Kommissions-Veranstaltungen hinein:

screenshot des BIB Facebook Accounts

Wir hoffen sehr, dass die BIB-Facebook-Seite schlussendlich eingerichtet wird [zwischenzeitlich ist der Wunsch in Erfüllung gegangen], haben wir doch mit der Checkliste Nr. 33 kurz vor dem Bibliothekartag eine Wegmarke bei den Tutorials zu diesem sozialen Netzwerk gesetzt und fänden es gut, wenn dies - neben der Homepage und den anderen Informationsmöglichkeiten fortgeführt würde. Nicht zuletzt zählt es zum OPL-Gedanken, den Nutzern zu folgen und Information dort und so zu verteilen, wie die Informationsbedürfnisse liegen!

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim 101. Deutsche Bibliothekartag vom 22.-25.05.2012 in Hamburg!



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