Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Was hat Keith Richards mit Bibliothek zu tun? - Jahresbericht der Kommission für One-Person Librarians 1998/1999

Nicht erst seit Keith Richards Sturz von der heimischen Bibliotheksleiter im vergangenen Sommer ist "Bibliothek" wieder ein Thema in der Öffentlichkeit. Auch in der deutschen Literatur liegen Bibliothekare als Protagonisten voll im Trend. Gleich mehrere Romane wie Judith Kuckarts "Der Bibliothekar" und Gerhard Roths "Der Plan" ließen im vergangenen Jahr fiktive Vertreter unseres Berufsstands zu Wort kommen, so Dr. Konrad Feldt - Roths Protagonist -, 35, Bibliothekar in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, der die mittelalterlichen Schätze seiner Bibliothek liebt und sich unter Büchern und Handschriften zu Hause fühlt, denn "dort ist seine Welt". Und Hans-Ullrich Kolbe, 53, Kuckarts Held, Sohn eines protestantischen Pfarrers, der Literatur und einundzwanzig Semester Religionswissenschaften studiert hat und eine Sammelleidenschaft besitzt für "Bücher, die es nicht mehr gibt". "Unregelmäßig hielt er an Freitagen in der Ecke des Lesesaals Vorträge zu diesem Thema. Eine Handvoll älterer Frauen hörte ihm dabei mit hängenden Schultern zu." (Kuckart, S. 24-25).

Ob das in den beiden Romanen nachgezeichnete Bild unserem beruflichen Alltag entspricht, überlasse ich Ihrer Beurteilung. Es stimmt aber immer weniger mit dem traditionellen Bild vom Bibliothekarsdasein überein, das häufig noch in den Köpfen der Öffentlichkeit existiert.

Gerade das Image von Bibliothekaren bedarf noch einer radikalen Kehrtwende: Auf neuestem Erkenntnis- und Technikstand, nach modernsten Methoden organisiert und geführt, offen für neue Anforderungen und mutig in der offensiven "Vermarktung" des Angebots durch qualifizierte und motivierte Teams, innerhalb und außerhalb der Bibliotheken.

Diese notwendige Imagekorrektur insbesondere für die Gruppe der Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer voranzutreiben ist ein Kernpunkt aus dem Aufgabenkatalog der Kommission.

Weitere Schwerpunkte sind:
ein noch vielfältigeres, auf die Bedürfnisse von One-Person Librarians ausgerichtetes Seminarangebot,
der Aufbau eines Netzwerks und
die Förderung des Erfahrungsaustauschs untereinander.

Fortbildung für Solisten

Eine zunehmende Professionalisierung und eine Steigerung der Kompetenz von Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfern kann durch fundierte Fortbildung gefördert werden. Seit 1996 bieten der VdDB und das HBZ jährlich vier auf die besonderen Bedürfnisse von One-Person Librarians ausgerichtete Seminare zu Themen wie "Erwerbung, Haushalt, Recht", "Internet in kleinen Bibliotheken", "Sponsoring", "OPL-Selbstmanagement" und "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" an.

Auch die 1998 durchgeführten zweitägigen Veranstaltungen orientierten sich mit ihren praxisnahen Themen:
"Selbstmanagement von OPLs" (30.-31. Oktober 1998),
"Als OPL bestehen" (5.-6. März 1999) und
"Image und Management von kleinen Bibliotheken" (13.-14. November 1998 und 9.-10. April 1999)

an den speziellen Bedürfnissen der OPLs.

Für das 2. Halbjahr 1999 sind zweitägige Veranstaltungen zu den Themen:
"Konfliktmanagment/Kommunikationstraining" (19.-20. November) und
"Das visuelle Erscheinungsbild von OPLs" (Oktober '99)

geplant.

Der Adressenpool

Daß in der sich nun abzeichnenden Informationsgesellschaft in den kleinen Bibliotheken nicht nur ein hohes Maß an Flexibilität gefordert ist, sondern auch ein stärkerer Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen nützlich sein kann, ist gerade den Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfern bewußt. 600 Adressen von Kleinstbibliotheken verzeichnet der von der OPL-Kommission zusammengestellte und laufend aktualisierte Adressenpool derzeitig.

Die "Flaschenpost"

Eine erste gedruckte Fassung des ständig wachsenden Adreßbestands lag auch in der ersten Ausgabe der "Flaschenpost" vor, einem 35seitigen Infopaket, das die Kommission in einer Auflage von 350 Exemplaren für die "Robinson Crusoes" auf dem Frankfurter Bibliothekartag zusammengestellt hat. Wegen der großen Resonanz wird es auf dem Freiburger Bibliothekartag eine 2. Ausgabe der "Flaschenpost" geben; darin finden Sie neben der gedruckten Fassung des Adressenpools auch einen Überblick über das kommende Semininarangebot und eine aktualisierte Literaturliste zum Thema OPL, die Marie-Rose Vorgrimler zusammengetragen hat. Die laufend aktualisierte Literaturliste mit deutsch- und fremdsprachigen Titeln steht Ihnen auch auf der OPL-Homepage zur Verfügung.

Die neue Homepage der OPL-Kommission

Die Übersicht über das vielfältige Seminarangebot und relevante Fachliteratur zu behalten und die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich weiter mit zu verfolgen, ist gerade für Kolleginnen und Kollegen in kleinen Bibliotheken schon aus Zeitgründen äußerst schwierig. Dank des Engagements von Jens Lazarus und von Jürgen Plieninger, dem neuen Kommissionsmitglied, ist mit der Einrichtung einer eigenen Homepage der Kommission ein Forum für die bibliothekarischen Einzelkämpfer geschaffen worden, in dem neben Fortbildungsterminen, relevanten Adressen und wichtigen Internet-Links auch interessante Fachliteratur angezeigt wird und der OPL-Adressenpool einsehbar sein.

Der Bibliothekartag

Daß trotz der unterschiedlichen Ausgangslagen und der speziellen Informationsbedürfnisse der jeweiligen Trägerinstitution wichtige Informationen und Tips an andere Solisten weitergegeben werden können, belegten die ersten großen OPL-Treffen auf dem Dortmunder Bibliothekskongreß und dem Frankfurter Bibliothekartag.

Für das auf dem Frankfurter Bibliothekartag von der OPL-Kommission des VdDB veranstaltete 2. Treffen der bibliothekarischen Solisten verließen gar 200 Bibliothekarinnen und Bibliothekare - zumindest zeitweise - ihre einsame Insel und informierten sich nicht nur über Image und Management von Kleinstbibliotheken, sondern nahmen die Gelegenheit wahr, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu festigen.

Das nachhaltige Echo auf diese Veranstaltungen bekräftigte noch einmal, daß die OPLs bei der Programmgestaltung zukünftiger Bibliothekartage fest eingeplant werden sollten. In Freiburg ist daher die Problematik von "One-Person Libraries" sogar als Themenschwerpunkt ins Hauptprogramm aufgenommen worden.

Bei der von der OPL-Kommission organisierten Veranstaltung zum Themenschwerpunkt OPL am 26. Mai (von 9 bis 13 Uhr) macht sich die Kommuniktionstrainerin Eva Havenith unter dem Titel "Zeitmanagement oder Was hat Eisenhower mit OPLs zu tun" über das ewige Zeitproblem von One-Person Librarians Gedanken; Dorothee Eberbach-Houtrouw berichtet über die Erfahrungen in ihrer Kleinstbibliothek, und Dr. Angela Graf beleuchtet den Aspekt "Praktikanten in OPLs". Im Anschluß an die Vorträge findet das schon traditionelle informelle Treffen der Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer statt.

Der Sommerkurs

Die neuen Technologien revolutionieren auch den Alltag in den Kleinstbibliotheken. Den Mut zum ersten Schritt hatten 20 Kolleginnen und Kollegen aus OPLs, die sich im August '98 im Rahmen des Sommerkurses eine Woche in Konstanz erfolgreich in die Geheinmisse des Internets einführen ließen: bibliothekarische Werkzeugkästen, Hardware-Konfiguration, Internet-Dienste, Suchmaschinen und Bookmarkverwaltung, HTML; dazwischen ein Arbeitsbesuch in der ETH Zuerich. Ein (so die Teilnehmer) - nicht nur was das Wetter betraf - sonniger Einstieg ins "Netz der Netze".

Fazit und Ausblick

Die verschiedenen Initiativen haben im vergangenen Jahr zu einer zunehmenden Repräsentanz in der bibliothekarischen Fachöffentlichkeit und einer verstärkten Institutionalisierung der Mitwirkung von OPLs in fachlichen Entscheidungsgremien geführt.

Wie können sich Kleinstbibliotheken trotz ihrer geringen personellen Ausstattung behaupten und entwickeln? Wie läßt sich das Image beeinflußen und ändern? Wie können Einstellungen der rahmengebenden Politik und Berufsbilder beinflußt werden? Welche neuen Methoden und Arbeitsformen müssen in Führung und Management von OPLs einziehen? Mit diesen oder ähnlichen Themen werden sich die One-Person Librarians nun auseinandersetzen müssen - als Thema in den OPL-Seminaren und auf dem Bibliothekartag, aber sicher nicht nur dort.

Regina Peeters, Europäisches Übersetzer-Kollegium Straelen, Vorsitzende der VdDB-Kommission

PS: Für alle Literaturinteressierten hier die bibliographischen Angaben zu den erwähnten Romanen:
Judith Kuckart: Der Bibliothekar, Gatza Verlag, 1997, 39,80 DM
Gerhard Roth: Der Plan, S. Fischer, 1998, 38 DM

Jahresbericht 1997/98



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