Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Bericht von der Fortbildungsveranstaltung "Web 2.0"

Anfang März fand die diesjährige Mitgliederversammlung der BIB-Landesgruppe Baden-Württemberg in Stuttgart statt. Im Rahmen dieser Jahrestagung wurde eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema "Web 2.0 – Was kann sich für Bibliotheken ändern?" angeboten, die rund 60 Teilnehmer interessiert verfolgten.

Den Eröffnungsvortrag hielt Julia Bergmann, Dipl.-Bibl. und selbständige Trainerin für Informationskompetenz. Sie zeigte anhand von praxisnahen Beispielen, wie sich mit Hilfe von web-basierten Diensten die tägliche Arbeit effektiver organisieren lässt. So kann man sich beispielsweise durch die Einrichtung eines RSS-Feed-Readers auf zeitsparende Weise und stets aktuell über Änderungen auf wichtigen Websites informieren lassen. Social Bookmarking ermöglicht es, eine Arbeitsplatz-unabhängige und vom gesamten Team nutzbare Linksammlung anzulegen, die mit Hilfe von Tags (Schlagworten) erschlossen wird. Wikis und Weblogs erleichtern die Kommunikation in Projektgruppen und Teams und können als Wissensdatenbank dienen. Eine kurze Umfrage im Publikum zeigte, dass bisher nur wenige der Zuhörer diese Instrumente nutzen. Julia Bergmann erläuterte außerdem die Möglichkeiten der Literaturverwaltung Zotero.com sowie der kostenlos nutzbaren Office-Programme von Thinkfree.com und zeigte, wie sich mit Hilfe von Pageflakes.de eine personalisierte Startseite programmieren lässt und so ein virtueller Schreibtisch entsteht.

Ihr Ratschlag an alle Unerfahrenen in puncto Web 2.0: Die unterschiedlichen Dienste ohne Berührungsängste ausprobieren, nach und nach in die tägliche Arbeit integrieren – dann ergeben sich auch Ideen für neue Dienstleistungen in Bibliotheken fast von selbst.

er zweite Vortrag wurde von dem Social-Media-Experten Steffen Büffel mit dem Film EPIC 2015 eröffnet, der einen kleinen Rückblick sowie einen fiktiven Ausblick auf die mögliche Entwicklung der Medienlandschaft bot. Der Referent schlug einen Bogen von den Vernetzungsvisionen von Cyrus Field, der das erste Tiefseekabel verlegte, über die Anfänge des Internet, die Digitalisierung, bis hin zu den heutigen virtuellen Welten. Seiner Meinung nach wissen viele Internetnutzer nicht, welche Möglichkeiten der Recherche es außer den "Globalplayern" wie Google und Amazon gibt. Hier sieht er eine Aufgabe und Chance für Bibliotheken. Es folgten gut verständliche Erklärungen und Beispiele über Weblogs, RSS-Feeds, Podcasts, Tags und Wikis. Steffen Büffel ging auch auf die Mediennutzung im Wandel ein, das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen, und stellte die leicht provokante Frage, ob man warten sollte, bis die Jugendlichen von selbst kommen oder ob man nicht dort hingehen sollte, wo sie sind. Der lohnende Vortrag endete, wie er begonnen hatte mit einem Film, diesmal mit „Did you know?“, eine Präsentation, die ein Lehrer der Arapahoe High School in Colorado, United States, für seine Kollegen erstellt hatte, um ihnen aufzuzeigen, dass sie ihre Schüler für ein Leben vorbereiten, das so in dieser Form noch gar nicht existent ist, sich aber rasend schnell weiterentwickelt.

Zum Abschluss wurde die virtuelle dreidimensionale Welt des "Second Life" von den beiden wissenschaftlichen Mitarbeitern der Hochschule der Medien Stuttgart, Florian Fahrbach und Uli Wesser, vorgestellt. Die Teilnehmer erfuhren Interessantes über Avatare, die Personen, die man dort für sich agieren lässt, über die eigene Währung und wie man sich diese dort verdienen kann sowie über die Herkunft des Second Life. Über den Reiz, den dieser Ort entwickelt, wurde ebenso gesprochen wie über die Kritikpunkte, zum Beispiel Realitätsverlust, Verschuldung im echten Leben oder die dortige Kriminalität. Anschaulich wurde die Welt des Second Life dann, als die beiden Referenten das Publikum mit auf Streifzüge durch einzelne Bibliotheken nahmen. Leider, so Herr Wesser, ist dort keine einzige deutsche Bibliothek zu entdecken, und verwies auf die virtuelle Vorzeigebibliothek aus Amsterdam.

Die zahlreichen Informationen, Tipps und Links, die auf dieser Tagung gegeben wurden, werden die Teilnehmer wohl noch einige Zeit beschäftigen, denn die Vorträge animierten zu eigenen Experimenten mit den Möglichkeiten des Web 2.0.

 

Bericht von Tabea Huditz und Ursula Jaksch

 

P.S.

Die Handouts/Präsentationen der Vorträge von Frau Bergmann und Herrn Büffel sind auf der Seite der Fortbildung verfügbar und können heruntergeladen werden!



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