Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Zu Besuch in der Mittelpunktbibliothek Köpenick im Juni 2009

Der BIB nimmt immer erfreut zur Kenntnis, wenn trotz leerer Kassen in Berlin auch immer mal die eine oder andere Öffentliche Bibliothek neu eröffnet wird, so geschehen z.B. im Dezember 2008 in Köpenick. Über die neue Mittelpunktbibliothek am Alten Markt wurde relativ schnell kontrovers diskutiert. Wir wollten uns vor Ort unser eigenes Urteil bilden und besuchten die Bibliothek am 30. Juni 2009.

Warum der neue Standort in der Köpenicker Altstadt? Der neue Standort ist für eine Öffentliche Bibliothek, zumal mit zentraler Funktion, ausgesprochen reizvoll. Das Grundstück reicht bis an die Müggelspree heran und lädt – wenn in ein paar Jahren alles fertig ist – sicher zu dem einen oder anderen lauschigen Bücherei-Sommerfest ein. Negativ beurteilt wird allerdings, dass der Großteil der Köpenicker Bevölkerung eben nicht in der Altstadt wohnt und die neue Mittelpunktbibliothek auch sonst nicht besonders günstig zu erreichen ist, weil Haltestellen von öffentlichen Verkehrsmitteln (Tram, S-Bahn) relativ weit entfernt sind. Der Grund für die Auswahl des Standorts ist wieder mal GELD. Durch die Auswahl des Standorts in der Köpenicker Altstadt konnten zusätzliche Mittel aus der Denkmalschutzkasse locker gemacht werden.

Warum dieses Gebäude? Natürlich fällt zunächst einmal der Neubau nach Plänen des Architektenteams Bruno Fioretti Marquez (Piero Bruno, Donatella Fioretti und José Gutierrez Marquez) ins Auge. Das massiv wirkende Gebäude in Ziegelbauweise handelte sich rasch den Spitznamen „Bücherknast“ ein. Wenn man es aber zuerst auf Fotos gesehen hat, ist man überrascht, wie klein es aber doch letztendlich in Wirklichkeit ist. Der Bibliotheksleiter betonte, dass die Mittelpunktbibliothek aber nicht nur aus dem Neubau besteht, sondern mit dem sanierten Gebäude der ehemaligen Mädchen-Mittelschule, in dem jetzt die Büros der Bibliothek und das Stadtarchiv untergebracht sind, und dem sogenannten kleinen Hexenhäuschen dazwischen ein Ensemble bildet.

Warum die merkwürdige Anordnung der Fenster? Ein Grund, warum man das Gebäude in seinen Dimensionen zunächst einmal nicht fassen kann, ist die eigenwillige asymmetrische Anordnung der Fenster. Was haben sich die Architekten nur dabei wieder gedacht???? Nun, die Fenster stellen BILDERRAHMEN dar. So wie in einem Museum die Bilder ja auch unterschiedlich groß sind und in unterschiedlicher Höhe aufgehängt werden, verhält es sich mit den Fenstern des Bibliotheksgebäudes. Diese lassen sich übrigens ausnahmslos nicht öffnen, was für Fensterputzer natürlich eine besondere Herausforderung darstellt, wie man sich vorstellen kann.

Warum diese Regale? Aber damit nicht genug: Auch die Regale brachten das Bibliothekspersonal zunächst an den Rand der Verzweiflung. Die Architekten wollten damit nämlich eine Mauer darstellen, indem sie die Fächer entsprechend versetzt anordneten, so wie Ziegelsteine auch versetzt übereinander gemauert werden. Was macht nun aber die arme Bibliothekarin, die es doch gewohnt ist, in Segmenten von oben nach unten und dann von links nach rechts zu ordnen? Okay, es kostete Überwindung, aber nun wird eben zunächst von links nach rechts und dann eins tiefer weiter sortiert. Ein echtes Problem stellt allerdings die normierte Größe der Regalfächer dar, in denen für großformatige Bücher einfach kein Platz ist. Dies ist besonders im Bereich der Kinderbibliothek von Nachteil.

Ob die Mittelpunktbibliothek am neuen Standort denn von den Lesern angenommen wird? Aber ja! Sowohl Benutzerzahlen als auch Ausleihen sind gestiegen. Aha! Da haben wir’s also mal wieder: Auch wenn erstmal viel gemeckert wird, insgeheim finden alle die neue Bibliothek toll. Der Büchereileiter musste uns übrigens nach einer Stunde verabschieden, weil dann schon die nächste Besuchergruppe in den Startlöchern stand und eine Führung haben wollte. Wir wurden aber eingeladen, in ein oder zwei Jahren wiederzukommen und uns anzuschauen, wie sich alles prächtig weiter entwickelt hat. Machen wir gern, vor allem wenn wir anschließend ein Gläschen Prosecco am Ufer der Müggelspree einnehmen können.

Frank Redies, August 2009



Sie befinden sich hier: 
bib-info.de / Landesgruppen / Berlin / Rückblicke und Archiv / Rückblick 2009 / Mittelpunktbibliothek Köpenick

Berlin

Landesgruppen

Service

BIB Highlights

Bibliothekswelt

Ein BIB-Mitglied

  • Norbert Sprung
  • Foto von Norbert Sprung

Standardseiten