Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Fachexkursion nach Dessau

Bibliotheken und Sehenswürdigkeiten in Dessau

Termin: 19. und 20. September 2008

Freitag, 19. September 2008

11:00 - 12:30 Uhr Umweltbundesamt / Fachbibliothek Umwelt, Referent: Oliver Olesch
Deutschlands größte Umweltbehörde, 1974 gegründet, zog 2005 nach Sachsen-Anhalt. Das Gebäude des Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau-Roßlau entspricht hohen ökologischen Ansprüchen. Der vom renommierten Büro „sauerbruch hutton architekten“ entworfene Neubau nimmt mit seiner Integration von Ökologie und Architektur einen unverwechselbaren Platz im Stadtbild Dessaus ein. Mit fast 300.000 Büchern, etwa 1.000 Zeitschriften und fast 3.200 Berichten der aktuellen Umweltforschung ist die „Fachbibliothek Umwelt“ des UBA in Dessau eine der bedeutenden Umweltbibliotheken Deutschlands.

13:30 - 15:30 Uhr Führung Bauhaus und Meisterhäuser,
16:00 - 17:00 Uhr Bauhaus Bibliothek und Dokumentation, Referentin: Karin Jaenecke
1925/26 wurde in Dessau das berühmte Bauhausgebäude nach Entwürfen von Walter Gropius errichtet. In diesem Gebäude fand die aus Weimar vertriebene Hochschule für Gestaltung eine neue Wirkungsstätte. Die Entwürfe des Bauhauses vereinten Kunst und Technik und wirkten für die moderne Industriekultur bahnbrechend. Darüber hinaus sind die Werke der Maler und anderer Bauhauskünstler, wie Paul Klee, Lyonel Feininger, Marcel Breuer oder Mies van der Rohe, zu selbstverständlichen Bestandteilen unserer Kultur geworden. Heute ist das Bauhausgebäude Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau und mehr als eine Schule oder ein Museum.

19:00 Uhr Gemeinsames Abendessen

Sonnabend, 20. September 2008

09:00 - 12:00 Uhr Anhaltische Bücherei: Hauptbibliothek, Wissenschaftliche Bibliothek, Referentinnen: Gabriele Schneider, Direktorin der Anhaltischen Bücherei, Sylvia Gladrow, Leiterin Bestandsaufbau, Erwerbung, Erschließung und Martine Kreißler, Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek

Die 1922 gegründete Anhaltische Landesbücherei vereinigt in Ihrem Bestand mehrere bedeutende Sammlungen. Zu ihnen gehören die Herzogliche Behördenbibliothek, die Herzogliche Hofbibliothek und die Bibliothek des Fürsten Georg III. von Anhalt. 1969 erfolgte die Zusammenlegung der Anhaltischen Landesbücherei mit der 1898 gegründeten Stadtbibliothek Dessau. Entsprechend dieser historischen Entwicklung gliedert sich die Anhaltische Landesbücherei in Hauptbibliothek mit verschiedenen Angeboten an modernen Medien für Informationen und Unterhaltung und Wissenschaftliche Bibliothek, die Zeugnisse tausendjähriger Geschichte bewahrt.

14:30 - 16:00 Uhr Führung Schloss und Park Mosigkau
Schloss Mosigkau besuchen, ist wie ein Ausflug in die Vergangenheit. In der spätbarocken Schlossanlage sind original ausgestaltete Kabinette, ein bemerkenswerter Galeriesaal, Gemälde von Rubens und Van Dyck, Porzelane und Fayencen zu sehen. Die Wege des schönen Rokokogartens sind von seltenen teils jahrhundertealten Orangeriepflanzen gesäumt.

(Keine Anmeldung mehr möglich. Stand: 13.8.2008)

Bericht über die Fachexkursion nach Dessau

Anhaltische Landesbücherei Dessau: Hauptbibliothek (Foto: Lutz Sanne)

Anhaltische Landesbücherei Dessau: Hauptbibliothek (Foto: Lutz Sanne)

Dessau-Roßlau

von Markus Schiffer

Dessau, 1213 erstmals urkundlich erwähnt, besuchten am 19.-20. September 2008 gut 20 Bibliothekarinnen und Bibliothekare der BIB-Landesgruppe Brandenburg, teilweise mit „fachfremden“ Anhang. Die Stadt bietet z. B. mit Bauhaus und Meisterhäusern, Anhaltinischem Theater, Schloss Georgium und Mosigkau neben den bibliothekarischen Highlights weitere Sehenswürdigkeiten. Im 2. Weltkrieg stark zerstört, wurden nach dem Krieg nur verhaltene Anstrengungen unternommen, die Stadt zu restaurieren. Im Wohnungsbau dominiert daher auch heute noch optisch bis in die Innenstadt der Plattenbau. Die 2007 erfolgte Fusion mit Roßlau kann den Bevölkerungsschwund nur mindern, nicht aufhalten.


Erster Höhepunkt war der Anblick des Umweltbundesamtes. Ein weitläufiges Gebäude, bunt, offen und hell mit viel Glas errichtet, erfreut den Betrachter. 1974 gegründet, zog das UBA 2005 nach Dessau. Die zugehörige „Fachbibliothek Umwelt“ stellt an insgesamt drei Standorten fast 400.000 Bücher und 1.000 Zeitschriften den Nutzern zur Verfügung. Sie ist als öffentlich zugängliche Freihandbibliothek konzipiert und zählt zu den größten ihrer Art in Deutschland. Helle und großzügig dimensionierte Räume und Aufstellungsmöglichkeiten beeindrucken die Besucher; mancher von uns hätte sich allerdings über eine etwas professionellere Führung gefreut.


Nach der Mittagspause ging es per pedes zum Bauhaus und den Meisterhäusern, deren Geschichte und Bedeutung uns vorzüglich erläutert wurde. Das eigentliche Bauhausgebäude, 1926 nach Entwürfen von Walter Gropius errichtet, ist heute Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau und würdigt den Bauhausgedanken der Vereinigung von Kunst und Technik der ehemaligen Hochschule für Gestaltung. Die zugehörige Bauhausbibliothek sammelt umfassend Literatur insbesondere zu den Themen Stadt und Stadtgestaltung, Architektur, Landschafts- und Umweltgestaltung, aber auch zu Kunst, Design, Typografie, Grafik, Fotografie, Theater. Die Fülle an attraktiven Werken ist beeindruckend. Trotz ihres imposanten Inhalts ist die Bibliothek leider beengt sowie wenig attraktiv und unsachgemäß untergebracht. Dies soll sich, wie uns die Leiterin, Frau Karin Jaenecke, mitteilte, allerdings in absehbarer Zeit ändern.
Am Samstag kamen die „klassischen“ Bibliotheken zu ihrem Recht. Wir besuchten zuerst die Hauptbibliothek, ehemals Stadtbibliothek Dessau, 1898 gegründet und seit 1969 mit der Wissenschaftlichen Bibliothek vereinigt. Zur Anhaltischen Landesbücherei Dessau gehören zudem die Stadtbibliothek Roßlau und drei Stadtteilbibliotheken. Die Hauptbibliothek residiert seit 1962 im wieder aufgebauten „Palais Waldersee“.


Die stellv. Leiterin der Bibliothek, Frau Sylvia Gladrow, verantwortlich für Bestandsaufbau, Erwerbung und Erschließung, informierte ausführlich über die heutige Bedeutung der Bibliothek, die neben den Kernaufgaben wie u.a. der Zusammenarbeit mit den Schulen auch erfolgreich Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen (z. B. Jazz & Lyrik, aber auch Tipps zur Gesundheitsvorsorge) durchführt. Zunehmend schwierig ist es dagegen, Kinder aus einem sozial schwierigen Umfeld zu erreichen. So lehnen manche Eltern es ab, Mitglied der Stadtbibliothek zu werden, da sie nicht für die rechtzeitige Rückgabe von Medieneinheiten sorgen wollen, die ihre Kinder entliehen haben. Wir empfanden dies als umso bedauerlicher, da die Kinderbibliothek ausgesprochen gelungen gestaltet ist.


Anschließend erlebten wir in der Wissenschaftlichen Bibliothek einen weiteren Höhepunkt unserer Reise. Von Fürst Leopold I von Anhalt - Dessau bis 1752 für einen seiner Söhne als Stadtresidenz errichtet, überstand das „Palais Dietrich“ alle Stürme der Zeit, war Sitz der Amalienstiftung, zweier Schulen und „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“.


Seit 1987 renoviert, dient es heute als Aufbewahrungsort bibliophiler Schätze. So zeigte uns die Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek, Frau Martine Kreißler, wunderbare Exponate der drei dort gelagerten Sondersammlungen, die insgesamt ca. 12.000 Bände umfassen. Es handelt sich dabei um die Herzogliche Behördenbibliothek, entstanden um 1878, mit Beständen des 15. bis 19. Jahrhunderts. Die ca. 1.900 Bände umfassende Sammlung ist erschlossen durch einen systematischen Katalog von 1896.


1820 wurde die Herzogliche Hofbibliothek gegründet, sie enthält u.a. die Privatsammlungen von Fürst Johann Georg I. von Anhalt Dessau und Fürst Leopold. Diese Sammlung umfasst über 10.000 Bände und ist elektronisch erschlossen. Dazu kommt die sog. Fürst-Georg-Bibliothek von Georg dem III., die Mitte bis Ende des 16. Jh. entstand. Sie umfasst 453 Bände mit über 1.700 Titeln und enthält hauptsächlich theologische Werke, darunter solche von Luther und seinen Zeitgenossen.


Neben der Sammlung der Regionalliteratur aus und über Anhalt werden seit 1992 auch Künstlerbücher erworben; seit 1997 entsteht so die anhaltische „Landessammlung Künstlerbücher“. Diese soll vom Mittelalter bis in die Moderne reichen; erster Schwerpunkt waren Künstlerbücher der DDR und der Wendezeit. Die Künstlerbücher werden regelmäßig ausgestellt; ausgewählte Neuerwerbungen zudem jährlich präsentiert.


Zum Abschluss unserer gelungenen anhaltischen Reise (anhaltinisch bezieht sich dagegen immer auf das Fürstengeschlecht derer von Anhalt-Dessau) besuchten wir Schloss und Park Mosigkau. Die spätbarocke Anlage ließ Prinzessin Anna-Wilhelmine von Anhalt-Dessau 1752 als Sommersitz erbauen. Da das Schloss alle Kriegswirren unbeschädigt überstand, konnten wir uns an 17 Räumen, die teilweise noch original ausgestattet sind, erfreuen.

Hervorzuheben ist der Galeriesaal, der in vertieften Wandfeldern eine in Deutschland einzigartige barocke, also lückenlose Hängung von Gemälden ermöglicht, darunter Bilder von van Dyck, Rubens oder Brueghel d.Ä. Nach dem Tode der Schlossherrin im Jahre 1870 wurde gemäß ihrer Verfügung ein Stift für adelige unverheiratete Damen eingerichtet, der bis 1945 bestand. Eine rekonstruierte Stiftsdamenwohnung und der im schönen Park gelegene Stiftsfriedhof erinnern noch heute daran.

 



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