Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Berichte und Materialien 2015

18.04.2015 - Tagesausflug nach Greifswald

Wieder einmal ist die Landesgruppe MV unterwegs. Diesmal machen sich am Samstag, den 18.04.2015 11 Kolleginnen auf den Weg nach Greifswald. Dort werden wir in der neuen Universitätsbibliothek am Bertholt-Beitz-Platz von Marion Kiesendahl und Karla Ay empfangen und fachkundig durch die Bibliothek geführt.
Anschließend besuchen wir im Pommerschen Landesmuseum die landesgeschichtliche Dauerausstellung, das Herzstück des Landesmuseums. Hier kann der Besucher eine Zeitreise durch 14.000 Jahre pommersche Geschichte unternehmen. Wir haben auch hier eine großartige Führung.
Ein Höhepunkt ist der Croy-Teppich, ein gewaltiger Wandteppich aus dem 16. Jahrhundert.
Da noch ein bisschen Zeit bis zur Abfahrt des Zuges ist, spazieren wir durch das Stadtzentrum von Greifswald. Dabei fungiert unsere Kollegin Olivia Diehr als hervorragende Stadtführerin.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren netten Greifswalder Kolleginnen für die kompetente Führung durch die UB und bei Olga Lachenmeier für die Organisation dieses tollen Ausflugs.

Hanna-M. Schmidt, 21.4.15

Exkursion nach Greifswald (c) KFiedler

Führung durch die Universitätsbibliothek Greifswald (c) KFiedler

Besuch des Pommerschen Landesmuseums (c) KFiedler

21.02.2015 - Zu Gast bei Richard Wossidlo

Die Aktivitäten unserer Landesgruppe beginnen in diesem Jahr am 21.02.2015.
Wir treffen uns gegen 10.30 Uhr am „Institut für Volkskunde“ am Reifergraben 4 in Rostock. Dort wollen wir uns das Wossidlo-Archiv ansehen.

Empfangen werden wir von Reinhard Kerb, der hier als wissenschaftliche Hilfskraft arbeitet und unserer Kollegin Sigrid Schmidt, die sich ehrenamtlich in der Einrichtung engagiert.
Sehr ausführlich, kompetent und außerordentlich engagiert führt uns Herr Kerb in die Arbeit der Einrichtung ein.

Richard Wossidlo (26.01.1859-04.05.1939) wurde in Friedrichshof bei Tessin geboren. Schon sehr früh kam er auf den Höfen seines Großvaters und seines Onkels mit der Mundart der Landbevölkerung in Berührung. Das Abitur legte er an der Großen Stadtschule in Rostock ab. Hier gewann Karl Ernst Hermann Krause ihn für das Niederdeutsche. Studiert hat Wossidlo Klassische Philologie. Er erwarb auch die Befähigung für Latein und Griechisch in der Oberstufe. Viele Jahre war er am Gymnasium in Waren angestellt, war dann jedoch für seine Forschungen freigestellt. Wichtige Symbolfigur wurde Wossidlo in der Heimatbewegung Mecklenburgs. Aufgrund seiner Bedeutung und Stellung, war es ihm auch in der Zeit des Nationalsozialismus möglich, seine volkskundlichen Projekte weiterzuführen, ohne sich vereinnahmen zu lassen.
Noch in seiner Studienzeit exzerpierte Wossidlo niederdeutsche Wörter und Redewendungen aus den Werken Fritz Reuters oder John Brinckmans und begann damit, die gesprochene Mundart zu dokumentieren. Diese Sammelarbeit war bereits volkskundlicher Art, weil sie Sinnbezüge des Wortschatzes, nicht aber Lautung und kaum Grammatisches erfasste. Publiziert wurde sie mit Hilfe des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung in Hamburg. 1890 beauftragte der Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde Wossidlo mit der Sammlung von „Volks-überlieferungen“, die er bis an sein Lebensende neben dem Lehrerberuf und durch Opferung seines Vermögens fortsetzte, seit 1906 auch mit Unterstützung des Heimatbundes Mecklenburg. Hier kooperierte er eng mit dem Archäologen Robert Beltz und dem Geologen Eugen Geinitz. Eine ihm 1919 angetragene Professur für niederdeutsche Sprache und Volkskunde lehnte Wossidlo ab. Statt seiner erhielt Hermann Teuchert den Lehrstuhl, dem Wossidlo sein sprachliches Material für das „Mecklenburgische Wörterbuch“ überließ. 1936 wurde im Schweriner Schloss auf Basis seiner Sachkultursammlung das „Mecklenburgische Bauernmuseum ‚Wossidlo-Sammlung‘“ begründet. Heute befindet sich diese im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß.

Kulturwissenschaftliche Bedeutung
Die 1897 edierten „Rätsel“ machten den jungen Privatgelehrten in der Fachwelt berühmt, obwohl Johannes Gillhoff bereits 1892 „Mecklenburgische Volksrätsel“ ediert hatte. Wie Karl Bartsch, der 1867 im Auftrag des Altertumsvereins einen Sammelaufruf über „Sagen, Märchen und Gebräuche“ ergehen ließ, machte auch Wossidlo vom „Gewährsmannprinzip“ Gebrauch. Wossidlos Netzwerk von Sammel-helfern, die lokale Eigentümlichkeiten notierten und an ihn weiterreichten, umfasst über 1.400 Gewährsleute, vielfach Lehrer, Geistliche und Verwaltungsbeamte, darunter auch Archivare wie Ludwig Krause. Manche Angehörige unterer Schichten teilten zwar ebenso ihre Sammelbefunde schriftlich mit, äußerten sich aber in der Regel mündlich „im Feld“. Dieses suchte Wossidlo bei jeder Gelegenheit auf, um mit großem Talent über 5.000 seiner Landsleute vor Ort zum Erzählen zu bringen. Das Gehörte notierte er in der Mundart auf kleinformatige Zettel, die er in einem imposanten System von Zettelkästen nach Sachgruppen, Orten und Motiven ordnete. In der Anfangszeit beschrieb er gelegentlich seine Manschetten, um den Gesprächsfluss nicht zu stören. Rundfunkbeiträge, Theaterspiele und Heimatfestzüge unterstützten die Werbearbeit und hielten das methoden-kombinierte Sammelunternehmen in Gang.
Während sich etwa Wilhelm Wisser auf Märchen und Schwänke beschränkte, widmete sich Wossidlo der gesamten Ausdrucksbreite sprachlicher und volkskultureller Überlieferungen: Erzählung- und Liedgut treten neben Bräuche und Zeugnisse des Volksglaubens, Ethnobotanisches und Volks-zoologisches neben Flurnamen, Kinderreim und Kinderspiel neben Handwerk und Landwirtschaft. Auch Obscoenae und Sexualität in der Volkskultur werden nicht ausgespart, deren Erforschung sich zu dieser Zeit Samuel Krauss annimmt. Alle Bereiche werden durch Wortschatzwissen und später die Sachkultur unterlegt.
Wossidlo arbeitete bereits nach Prinzipien der modernen Feldforschung: Die Partnerschaft zwischen Forscher und Informant, der längere Feldaufenthalt, die Vertrautheit mit der indigenen Kultur und die Fähigkeit, Sprachnuancen zu erfassen. Er legte seine Forschungspraxis dar, deren Prinzipien für die Volkskunde zum Vorbild wurden und von vielen namhaften Philologen und Volkskundlern anerkannt wurden. Der finnische Volkskundler Kaarle Krohn, der den ersten internationalen folkloristischen Forscherbund gründete, rückte Wossidlo Leistung in die Nähe des dänischen Folkloristen Evald Tang Kristensen oder des estnischen Pfarrers Jakob Hurt.
Ab 1883 bereiste Wossidlo nahezu jeden Ort Mecklenburgs - seine Sammlung wurde die Grundlage für das Mecklenburgische Wörterbuch. 1954 wurde auf Basis des Wossidlo-Nachlasses und auf Anregung des Rostocker Studienrates Paul Beckmann sowie mit Unterstützung von Wolfgang Steinitz eine „Wossidlo-Forschungsstelle“ als Außenstelle des Instituts für Deutsche Volkskunde der Berliner Akademie der Wissenschaften gegründet. Mit der Auflösung der Akademie wurde die Wossidlo-Forschungsstelle in die Philosophische Fakultät der Universität Rostock integriert.

Etwa zwei Millionen Dokumente gibt es im Wossidlo-Archiv des Instituts für Volkskunde, heute in Obhut der Universität Rostock. Das Archiv wird zurzeit im Rahmen des DFG-Projektes „WossiDiA“ digitalisiert, ist seit 2014 online gestellt und frei nutzbar.

Nach über 2 Stunden verlassen wir den Reifergraben 4 – ausgestattet mit ungeheuer vielen Eindrücken.
Ein ganz besonders herzlicher Dank geht unserem kompetenten Guide Reinhard Kerb zu, der uns nicht nur an einem seiner freien Samstage empfing, sondern dazu wunderbar lebendig durch das Wossidlo-Archiv führte.

Hanna-M. Schmidt, 9.3.15

Zettelwand Wossidlos (c) WLandt

Zettelwand Wossidlos (c) WLandt

Vor der Zettelwand (c) WLandt

Vor der Zettelwand (c) WLandt

Konvolut Feldforschung (c) WLandt

Konvolut Feldforschung (c) WLandt

06.03.2015 - Seeschifffahrt und Seekarten = Zu Besuch im BSH Rostock

Schon zum zweiten Mal treffen sich die Mitglieder des Landesverbandes MV zu einer interessanten Veranstaltung. Am 06.03.2015 besuchen wir die Bibliothek im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Rostock.

Sie ist zusammen mit dem Hamburger Standort die zentrale maritime Fachbibliothek der BRD, deren Anfänge auf die Bücher- und Kartensammlung der Norddeutschen Seewarte von 1868 zurückgehen. Bereits 1875 wurde die Sammlung dann durch die Deutsche Seewarte übernommen. Der Bestand ist ständig durch Kauf und Tausch erweitert worden.
Heute steht die Bibliothek mit vielen Bibliotheken und anderen Einrichtungen in Verbindung. Sie ist eine Sammelschwerpunkt-Bibliothek und als solche im Programm der DFG wichtig für die überregionale Literatur-versorgung.
Aus den Bereichen Ozean (Physik, Chemie, Geophysik, Geologie des Meeres, maritime Meteorologie und Meeresumweltschutz und Offshore-Projekte) und Seeschifffahrt (Navigation und nautische Technik, Seekarten, Seemännische Ausbildung, Sportschifffahrt und Seevermessung) gibt es Fachliteratur aus 140 Jahren.
Die Bibliothek verfügt über einen Bestand von 170.000 Medien, 50.000 Seekarten (größter öffentlich einsehbarer Seekartenbestand Deutschlands), 700 laufend gehaltenen Zeitschriften und Fortsetzungen. Ein Großteil des Bestandes kann kostenlos entliehen werden, ebenso gibt es einen Online-Zugriff auf Fachdatenbanken und elektronische Zeitschriften.
Zum Studium von Präsenzliteratur und dem historischen Altbestand gibt es sowohl in Rostock wie auch in Hamburg Internet-Arbeitsplätze.
Die Bibliothek ist eine OPL. Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Fr. Hartleib hat im letzten Jahr Antje Schröder diese Einrichtung übernommen und uns jetzt 2,5 Stunden umfangreich, sympathisch und sehr informativ in ihre neue Wirkungsstätte eingeführt.

Wir danken Antje Schröder sehr herzlich für den Einblick in Ihre Bibliothek!

Hanna-M. Schmidt, 9.3.15

18 Kolleginnen zu Besuch bei Antje Schröder im BSH Rostock (c) KFiedler

18 Kolleginnen zu Besuch bei Antje Schröder im BSH Rostock (c) KFiedler

Seekarten (c) WLandt

Seekarten (c) WLandt

Seekartenarchiv (c) WLandt

Seekartenarchiv (c) WLandt



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