Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Bibliotheksvielfalt zwischen Hofburg und Burggasse:

Gruppenbild bei den Vereinten Nationen

eine Studienreise der BIB Landesgruppe Niedersachsen/Bremen unterstützt vom BI-International

nach Wien vom 5. bis 9. September 2017

- Reisebericht -

Die diesjährige Studienreise des BIB führte die Teilnehmer ins benachbarte Österreich, in die Hauptstadt Wien. Die 20 Teilnehmer(innen) setzten sich zusammen aus dem Organisationsteam (4 Personen) und 16 Mitgliedern des Berufsverbandes.

Am Dienstag erfolgte die gemeinsame Anreise mit der Deutschen Bahn von Hannover nach Wien. Zum ersten gegenseitigen Kennenlernen und Austausch diente an diesem Tag ein gemeinsames Abendessen.

Am Mittwoch besuchte die Studiengruppe zuerst die Österreichische Nationalbibliothek.

Diese ist die zentrale wissenschaftliche Bibliothek Österreichs, welche öffentlich zugänglich ist. Sie befindet sich in der Neuen Burg am Heldenplatz, die historischen Sammlungen und die Verwaltung sind vom benachbarten Josefsplatz zugänglich. Weitere Abteilungen befinden sich in anderen Teilen der Hofburg und im Palais Mollard-Clary in der Herrengasse. Der Unterhaltsträger ist das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. © Wikipedia

Als Nationalbibliothek sammelt sie unter anderem die Pflichtexemplare aller in Österreich erschienenen oder hergestellten Druckwerke. Darunter sind alle von den österreichischen Universitäten approbierten Dissertationen. Seit Juli 2000 wurde die Sammlung von Pflichtexemplaren auf elektronische Medien ausgeweitet, es werden auch historische Zeitungen gescannt und im Internet online angeboten (Anno (Austrian Newspapers Online)).

Im Kaisertum Österreich, ab 1867 in Österreich-Ungarn, war die Bibliothek bis zum Ende des Ersten Weltkrieges als Wiener Hofbibliothek eine der umfangreichsten Universalbibliotheken der Welt. Heute liegt der Schwerpunkt der Sammlung hingegen im geisteswissenschaftlichen Bereich.

Als Bundesmuseum umfasst die ÖNB vier spezielle Angebote: den Prunksaal in der Hofburg, das Papyrusmuseum, das Globenmuseum und das Esperantomuseum. Zudem wurde im April 2015 das Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek im denkmalgeschützten ehemaligen kaiserlich königlichen Hofkammerarchiv in der Johannesgasse eröffnet. © Wikipedia

Unsere Führung begann mit dem Eintritt in die Communciation Lounge im Erdgeschoss. Neben dem Copy Corner befindet sich hier auch der Recherche-Saal für die Benützer. In den Lesesälen können die Benützer bei hellem Tageslicht an Arbeitsplätzen mit aber auch ohne Steckdosen arbeiten. Zur besseren Koordinierung der Kapazität bezüglich der Arbeitsplätze werden sogenannte Pausenuhren verwendet. Damit hat ein Benützer die Möglichkeit seinen Arbeitsplatz für maximal 45 Minuten zu verlassen. Wenn diese Zeit überschritten worden ist, wird der Platz vom Bibliothekspersonal des Service Desk geräumt.

Im Back-Office-Bereich im 1. Untergeschoss beginnt der sogenannte Tiefspeicher, welcher 1992 erbaut wurde. Von dort kann man unterirdisch bis zum Bundeskanzleramt gelangen. Der Geschäftsgang eines Buches beträgt in der ÖNB 5 Monate. Dann findet es nach Numerus Currens aufgestellt seinen Standort im Magazin, welches sich über eine Fläche von 16.000 m2 erstreckt. Hier lagern die Bestände ab 1851. Es besteht für die ÖNB die Möglichkeit einen neuen Speicher mit einer Fläche von 64.000 m2 zu erhalten. Diese Nutzfläche würde sie sich allerdings mit einer weiteren wissenschaftlichen Bibliothek teilen. Darüber hinaus ist eine verpflichtende Gesamtrevision des Bestandes bis zum Jahr 2025 zu vollziehen. Dafür werden 3 Mitarbeiter in Vollzeit eingesetzt.

In einem Vortragssaal wurden Einzelheiten der Homepage vorgestellt. So zum Beispiel er-möglicht der Online-Katalog QuickSearch durch einen Suchschlitz für den Benützer zur Literatursuche eine übergreifende Suche. Für die Bestellungen sind hier die Standortsammlungen wichtig. Die Bearbeitungszeit bei der Aushebung der Bestellungen be-trägt 2 Stunden. Für den Transport der Bestellungen wird neben dem Bibliothekspersonal eine voll automatisierte Buchtransportanlage genutzt. Die einzelnen Transportboxen sind mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Kilometer pro Stunde unterwegs und benötigen vom 4. Untergeschoss bis ins Erdgeschoss ca. 20 Minuten. Die Medien liegen dann für 7 Tage an der Entlehntheke bereit. Es ist möglich Medien [u.a. Dissertationen] zu entlehnen. Dafür wird eine Kaution in Höhe von 80,00 hinterlegt, es können bis maximal 5 Medien entlehnt werden. Als Besonderheit sind die 2wöchige Schließzeit im Sommer und die umfangreichen Digitalisierungsprojekte mittels einer Public Private Partnerschaft mit dem Tech-Konzern Google zu erwähnen. Für den Brandschutz der Einrichtung findet eine Löschanlage mit dem speziellen Gasgemisch Energen als Löschmittel Anwendung. Im Alarmfall haben die Mitarbeiter 20 Sekunden Zeit um die Räume zu verlassen. Insgesamt sind dabei 350 Flaschen auf allen Etagen im Einsatz.

Als ein weiteres Highlight der ÖNB wurde der Prunksaal besichtigt. Dieser hat vor allem Repräsentationscharakter. Vom Fußboden bis zur Decke des Saals beträgt der Höhen-unterschied 30 Meter. Die Decke stellt in ihrem Stil eine Verherrlichung dar und erzählt die Geschichte des Baus, welcher von 1723 bis 1726 dauerte. In den Regalwänden finden sich sogenannte Sternenkammern. Diese waren vormals die Büros der Bibliothekare. Es sind hier vor Ort 220.000 Bücher in 22 Sprachen vorhanden, welche den Anspruch haben das Wissen der Welt darzustellen. Darüber hinaus ist der Bestand vollständig digitalisiert.

Die zweite Einrichtung an diesem Tag war die Bibliothek der Wirtschaftskanzlei Schönherr Rechtsanwälte GmbH. Die Kanzlei wurde 1950 vom Rechtsanwalt und Wissenschaftler Dr. Fritz Schönherr gegründet und ist heute eine der größten Wirtschaftskanzleien in Österreich mit dem Hauptsitz in Wien. Das Unternehmen ist heute in 13 Ländern tätig, überwiegend in Osteuropa. Es gibt zum Beispiel Büros in Warschau oder Prag. Im gesamten Unternehmen sind 600 Mitarbeiter aus über 40 Nationen tätig. © Wikipedia

Die Bibliothek in Wien wird seit 2002 von Christiane Küster-Schneider geleitet und  hat sich in den Folgejahren zu einem gewachsenen Informations- und Rechenzentrum entwickelt. Diese Entwicklung begann im Jahr 2003 mit der Zusammenführung von Print- und Onlinemedien. 8 Jahre später entstanden das Team Legal Research und die Abteilung Knowledge Management. Im Zuge der  ständigen Verbesserung der Standardprozesse wurde diese 2014 zum Profit Center vereint. Kurze Dienstwege, Serviceorientierung und Motivation des Bibliothekspersonals prägen das Betriebsklima.

In der Bibliothek sind zurzeit 3 Mitarbeiter tätig. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Jura-Studenten, die mit der juristischen Vorrecherche für die einzelnen Klienten tätig sind. Es gibt in Wien einen Bestand von 25.000 Medieneinheiten auf einer Fläche von 400 m2. Die Bibliothek ist zudem nicht öffentlich zugänglich und über das Firmen-Intranet präsent.

Im Anschluss an die Mittagspause fand am Nachmittag die Besichtigung der Wienbibliothek im Rathaus statt. Es handelt sich eine Stadt- und Landesbibliothek für das Bundesland Wien, das territorial identisch mit der Stadt Wien ist.

Als Forschungsbibliothek zu Geschichte und Kultur der Stadt Wien sammelt sie über die gedruckten Publikationen hinaus auch Handschriften, Briefe, Musikdrucke, Musikhand-schriften sowie Plakate und ganze Nachlässe. Die Benützungsräume und Magazine der Bibliothek befinden sich im Wiener Rathaus, die Musiksammlung und die Dokumentation unweit davon in der Bartensteingasse. Organisatorisch zählt die Wienbibliothek zur Geschäftsgruppe Kultur des Magistrats der Stadt Wien. © Wikipedia

Zum Bestand ist darüber hinaus zu sagen, dass es seit 1982 ein Pflichtexemplarrecht für in Wien erscheinende Werk gibt.

Nach dem Tod des österreichischen Nationaldichters Franz Grillparzer kam dessen Nachlass in den Besitz der Stadt Wien und wurde den Städtischen Sammlungen übergeben. Diese Übergabe gilt als Gründungsakt der Handschriftensammlung.

Mit dem Geschenk eines Teils der Handschriften von Franz Schubert, die der Wiener Industrielle Nikolaus Dumba zusammengetragen hatte, an die Städtischen Sammlungen entstand 1900 auch eine Musiksammlung. die im Jahr 2001 zum Weltdokumentenerbe erklärt worden ist. 1923 entstand auf Initiative des damaligen Finanzstadtrates Hugo Breitner eine Plakatsammlung, die heute zu den bedeutendsten in Europa zählt.

Die seit dem 1. Oktober 1930 bestehende Dokumentation wertet die wichtigsten Wiener Zeitungen seit 1900 aus, der sogenannte Zeitungsindex. Die Artikel wurden mit Angabe von Titel, Zeitung, Datum und Seite in Form eines Zettelkataloges erfasst, seit 2007 werden sie im Online-Katalog nachgewiesen. Aufgenommen werden hier Wien betreffende Meldungen über kulturelle, soziale, kommunale und politische Ereignisse sowie Berichte über Wiener Persönlichkeiten, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. © Wikipedia

Die Magazinfläche teilt sich in einen Dachspeicher und in einen Tiefspeicher, welcher mit 3 Untergeschossen und einer Tiefe von 20 Metern unter der Erde aufwarten kann. Für den Zubau des Tiefspeichers wurde die Bibliothek 2006 mit dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet. Als Besonderheit dieser Einrichtung ist das seit 2004 im 3. Untergeschoss befindliche Magazin zu erwähnen. Dieses ist in einem Raum mit reduziertem Sauerstoff und einer ganzjährig konstanten Temperatur von 18 Grad Celsius untergebracht. Zum Zeitpunkt unseres Besuches war zudem eine beeindruckende Ausstellung zu der deutsch-österreichischen Historikern und Autorin Brigitte Haman zu besichtigen.

Den Abschluss dieses Tages bildete ein umfangreich geführter Stadtrundgang unter der Leitung der staatl. geprüften Kulturvermittlerin Margret M. Stickler.

Ausgangspunkt war die Freitreppe zur Universität, von wo die Gruppe um 18:00 Uhr aufbrach. Gleich gegenüber der Universität sind noch Reste der ehemaligen Stadtmauer erhalten; die Stadtmauer selbst ist bei der Erweiterung der Stadtfläche dem Abriss zum Opfer gefallen, auf ihrer Fläche verläuft heute die Ringstraße.

Anschließend begab man sich zum Beethoven-Haus, Mölker Bastei 8, das dem Großhändler Johann Heinrich Freiherr von Pasquelati gehörte. Dieser vermietete Beethoven, der in Wien nacheinander nicht weniger als 80 verschiedene Wohnungen bezogen hatte, zu großzügigen Konditionen eine Wohnung, in der er von 1805 bis 1812 lebte und arbeitete. Dort komponierte er u. a. die Werke „Fidelio“, „Coriolan“ und „Egmont“. 

Gleich in der Nähe befindet sich das Dreimäderl-Haus mit seiner recht gut erhaltenen Barockfassade. Berühmt wurde dieses Haus durch einen Spielfilm, der das Leben Franz Schuberts zum Inhalt hatte.

Unmittelbar benachbart steht ein mit Holzschindeln gedecktes Haus aus der Zeit des Barocks.

Weiter führte der Weg zum sog. Schottengymnasium (Freyung 6), einer katholischen Privatschule, die inzwischen auch für Mädchen zugänglich ist. Zahlreiche Vertreter aus Politik und Kultur haben diese Schule besucht, u. a. auch Johann Strauß in den Jahren von 1837 bis 1841.

Weiter leitete uns Frau Stickler zum Palais Ferstel, in dem sich ein recht ansprechendes Café und diverse Geschäfte befinden. Karl-Rudolf Wlaschek (1917 bis 2015) hatte einst dieses  Palais erworben und anschließend restauriert. Wlaschek war durch Gründung und Betrieb der Lebensmittelkette BILLA (BILlig LAden) zu enormem Reichtum gekommen.

Schlusspunkt der Führung war das Café Central, um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert der Treffpunkt zahlreicher Wiener Café-Haus-Literaten, wie z. B. Karl Kraus oder Peter Altenberg, der verewigt als Pappmaché-Figur gleich am Eingang die Besucher begrüßt. Im Innern des im venezianisch-neugotischen Stil gestalteten Cafés werden die Gäste nach einer angemessenen Wartezeit in formvollendeter Manier von Herrn Felix am Tisch platziert. Wiener Melodien, gekonnt an einem weißen Flügel dargeboten, versetzen bei Kaffee und Torte den Gast in eine längst vergangene Zeit unbeschwerten Daseins.

Nach mehr als zweistündiger Führung begleitet von qualitativ hochwertigen und mitunter recht detaillierten und kenntnisreichen Ausführungen entließ Frau Stickler die Studiengruppe aus ihrer kulturorientierten Vermittlungsobhut. [Text: © Gerhard Hurek]

 

Am Donnerstag begann die Studiengruppe mit dem Besuch des Bibliothekspädagogischen Zentrums der Öffentlichen Büchereien Wien.

Das Zentrum richtet sein kostenloses Angebot an Medien an die Pädagogen der Stadt Wien. In einer Internetbasierten Datenbank inklusive einem lokalen OPAC können die Beschäftigten die sogenannten Themenboxen recherchieren und diese dann in ihrem Unterricht im elementaren Pflichtschulbereich einsetzen. Die Bekanntmachung des Zentrums fand zu Beginn in Lehrerkonferenzen, auf der Pädagogik-Messe Wien oder aber auch in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule statt. Zur weiteren Bekanntmachung von neuen Themenboxen werden Pressemitteilungen verfasst oder Newsletter an die Benützer gesendet. Es wird neben den Schulen auch mit Kindergärten oder den Wiener Jugendcentren zusammengearbeitet. Die Themenboxen können nur im Zentrum selbst während der Öffnungszeiten ausgeliehen werden, es besteht jedoch die Möglichkeit diese an jedem Standort der Büchereien Wien zurück zu geben. Ein Transportservice bringt 2mal in der Woche die Themenboxen aus allen Standorten zurück ins Zentrum. Die Auswahl der Medien für eine Themenbox erfolgt in einer Expertengruppe. Diese Kolleginnen und Kollegen mit einer pädagogischen Ausbildung bewerten und besprechen 4mal im Jahr die Neuanschaffungen vor dem tatsächlichen Kauf. An der Auswahl der Medien arbeiten pro Thema mindestens 3 Mitarbeiter 1 bis 2 Monate, so dass pro Thema eine Box maximal 25 bis 30 Titel (inklusive Begleitmaterial) enthält. Dabei wird zum einen auf die Altersempfehlung der Verlage geachtet und zum anderen darf der Titel maximal 2 bis 3 Jahre alt sein. Das Jahresbudget beträgt hierfür ungefähr 20.000 d.h. das pro Box werden ca. 300 bis 350 ausgegeben. Eine fertige Themenbox wird nur als Ganzes entlehnt, es gelten die Leihbestimmungen der Büchereien Wien. Eine Box hat im Durchschnitt ein Gewicht von 14 Kilogramm. Im Jahr 2008 hat dieser Service mit 15 Themen begonnen, im Jahr 2017 stehen 58 Themen zur Auswahl.

Darüber hinaus wird im Zentrum von 2 Fachlektoren (jeweils 20 Stunden) das Angebot der Büchereien Wien um die interkulturelle Bibliotheksarbeit erweitert und spiegelt damit die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Stadt wider. Während dieses vielfältige Angebot im Erwachsenenbereich eher abflaut, erfreut sich u.a. die mehrsprachige Erziehung im Kinderbereich großer Beliebtheit. Für diese Entwicklung spricht auch der Erfolg der Kinderbücherei der Weltsprachen. Diese befindet sich in der Nähe der Hauptbücherei, im 15. Bezirk. Dieser ist zugleich der ärmste, aber auch der jüngste Bezirk der Stadt. Hier leben am meisten Immigranten und hier gibt es die schlechtesten Bildungsabschlüsse. Seit der Eröffnung der Kinderbücherei am 26.09.2015 arbeiten hier 2 Vollzeit-Mitarbeiter und eine 10-Stunden-Kraft von Montag bis Freitag in der Zeit von 13 bis 18 Uhr. Am Vormittag ist die Bibliothek geschlossen, dann finden Sprachkurse statt. Der Grundbestand besteht aus der Bücherspende eines Vereins, welche ungefähr 6000 Bücher in 38 Sprachen umfasste. Es gibt mittlerweile Kinder- und Jugendbücher in 49 Sprachen, thematisch bunt gemischt, für eine Altersgruppe von 0 bis 13 Jahren. Das Ziel ist es pro Sprache mindestens 100 Titel im Bestand zu haben. Dabei sollen diese Bücher Titel sein, welche die Kinder in ihren Heimatländern lesen. Bei den Fremdsprachen gibt es „nur“ Bücher im Bestand, bei der Amtssprache Deutsch gibt es auch andere Medien im Angebot. Das Ziel dieses Angebotes ist es die Muttersprache zu pflegen und die Klientel zur Mehrsprachigkeit zu sensibilisieren. Pro Schuljahr wird eine längere Kooperation mit einer Einrichtung geschlossen wie zum Beispiel, dass jeden Monat mit einer Grundschulklasse ein Märchenbuch in unterschiedlichen Sprachen gelesen wird.

Danach führte der Weg die Studiengruppe in die Hauptbücherei der Büchereien Wien. Dort wurden wir vom Leiter der Hauptbücherei Christian Jahl empfangen und durch das Haus geführt.

Die Büchereien Wien widmen sich als öffentliche Bibliothek gemäß ihrem Auftrag der breiten Volksbildung und werden von der Gemeinde Wien unterhalten. Sie umfassen ein städtisches Bibliotheksnetz, welches neben der Hauptbücherei weitere 38 Zweigstellen in fast allen Bezirken der Stadt bietet. Dabei ist jede Zweigstelle in ihrem Einzugsgebiet für mehrere Vollschulen zuständig.

Lediglich die seit 1958 betriebenen „mobilen Büchereien“, die Bücherbusse, wurden im Sommer 2009 eingestellt.

In den Büchereien Wien stehen über 1,7 Millionen Medien bereit. Neben Büchern, die einen Querschnitt durch alle Sachgebiete und Themen bieten, werden auch Audio-CDs, CD-ROMs, DVDs, Computerspiele, Audio- und Videokassetten verliehen. Die Medien sind in Freihandbereichen aufgestellt und damit für die Benützer frei zugänglich. Sie können diese entweder vor Ort benutzen oder entlehnen. Oft gibt es eigene „Leseecken“ für Migranten mit Büchern aus dem jeweiligen Heimatland. Jede Zweigstelle verfügt mindestens über einen PC für Katalog- und Internetrecherchen und einen eigenen Bereich für die Kinder, Kirango – den sogenannten Abenteuerplatz in ganz Wien.

Seit dem 30. September 2010 können in der Virtuellen Bücherei Wien zahlreiche digitale Medien per Download rund um die Uhr ausgeliehen werden.

Im Jahre 2003 zog die Hauptbücherei an ihren jetzigen Standort, den Neubaugürtel. Zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen des Gürtels wurde im 7. Bezirk über der U-Bahn-Station Burggasse-Stadthalle das vom Architekten Ernst Mayr entworfene Gebäude in der Form eines abstrahierten Schiffs erbaut. Aus diesem Grund gibt es in den Medien auch den Begriff Bücherschiff. Es wurde das Prinzip - vorne laut, hinten leise - umgesetzt. So zum Beispiel schafft das Atrium Licht, aber keinen Lärm. Zur Auflockerung finden im Eingangsbereich wechselnde Ausstellungen ihren Platz.

Zum Haupteingang der Bibliothek gelangt man über die größte Freitreppe Wiens, die bis zum Dach führt, wo sich das Café Oben befindet.

Auf zwei Ebenen werden nach dem College Prinzip 240.000 Bücher und 60.000 audiovisuelle Medien sowie Zeitungen und Zeitschriften präsentiert. Wo es räumlich möglich ist, wird die Frontalpräsentation gewählt. Als Besonderheit ist zu nennen, dass die Zeitschriften nicht wie vielerorts üblich gesondert aufgestellt sind, sondern bei ihrem jeweiligen Sachgebiet mit präsentiert werden. Auszusondernde Bestände dürfen nicht verkauft werden, daher werden diese Medien über einen Flohmarkt mit Spenden abgesetzt.

In der Hauptbücherei gibt es 130 PC-Arbeitsplätze für Katalog- und Internetrecherchen als auch 40 Audio- und Videoplätze. Dabei ist die PC-Nutzung für 1 Stunde am Tag kostenfrei. Die Eckpfeiler des Konzeptes sind die visuellen Medien und die Bibliothek als Lernort. Dazu zählen auch die Schulungen, die von der Hauptbücherei (und 5 Zweigstellen) angeboten werden. Auch in der Hauptbücherei gibt es den Bereich namens Kirango, welcher als Kinderbibliothek den jüngsten Benützern zur Verfügung steht.

Das Konzept zum Brandschutz sieht vor, dass jedes sogenannte College eigene Fluchtwege bietet und das die Brandschutztüren ein mögliches Feuer 90 Minuten aushalten sollen/werden.

Seit 2002 wird das BiblioChip System RFID-System zur berührungslosen Medienverbuchung und -sicherung eingesetzt. Damit entlehnen 70 % der Bibliothekskunden ihre Medien selbstständig an den Selbstverbuchungsstationen.

Von 18.000 Neueinschreibungen im Jahr werden 2/3 der Neuanmeldungen in der Hauptbibliothek registriert. Dabei sind 80 % der Benützer unter 40 Jahren alt und 52 % sogar zwischen 11 und 25 Jahre alt.

Aufgrund der guten technischen Ausstattung finden in der Hauptbücherei im Jahr ca. 2000 Veranstaltungen mit 25.000 Besuchern sowie Pressekonferenzen statt. Veranstaltungen sind zum Beispiel das Lesofantenfest, die mehrsprachige Geschichtenzeit oder die Wiener Innovationsgespräche. Für Mentoring-Projekte soll in Zukunft noch Platz geschaffen werden. In den sozialen Medien sind die Büchereien Wien u.a. durch ihre Facebook-Seite vertreten.

Laut Prognose wird Wien im Jahr 2023 zwei Millionen Einwohner zählen. Daraus ergibt sich das Programm Wien Neu denken, welches auch für die Büchereien Wien Bedeutung hat.

Am Freitag hat die Studiengruppe die United Nations Library Vienna besichtigt.

Das Vienna International Centre (VIC) ist mit dem United Nations Office at Vienna (UNOV) neben New York, Genf und Nairobi eines von vier offiziellen Amtssitzes der Vereinten Nationen. Das UNOV wurde am 1. Jänner 1980 als dritter Standort des UN-Sekretariats in Betrieb genommen und wird seit 2010 von dem Russen Juri Wiktorowitsch Fedotow geleitet. © Wikipedia

Es gibt bei der UN 6 Sprachen: Englisch und Französisch sind Amts- und Arbeitssprachen. Weitere Amtssprachen sind Spanisch, Russisch, Arabisch und Chinesisch.

Amtssprache bedeutet, dass in jeder offiziellen Sitzung eine Übersetzung nach und aus diesen Sprachen zu erfolgen hat und dass alle sitzungsvorbereitenden Dokumente, alle Resolutionsentwürfe und alle Protokolle und Berichte in angemessenem zeitlichen Rahmen in diesen Sprachen zur Verfügung stehen müssen.

Für die Arbeitssprachen gilt, dass alle organisationsinternen Arbeitsabläufe (mündlich und schriftlich) in diesen beiden Sprachen ablaufen können. Im Umgang mit dem Sekretariat der Vereinten Nationen hat jeder Delegierte das Recht, sich mündlich und schriftlich in der Arbeitssprache seiner Wahl auszudrücken. Auch müssen alle offiziellen Äußerungen des Sekretariats in den beiden Arbeitssprachen ablaufen.

Dieses Regelwerk schließt einsprachige Auftritte prinzipiell aus. Der Deutsche Übersetzungsdienst der Vereinten Nationen bietet die wichtigsten Dokumente zeitnah in deutscher Sprache an. © Wikipedia

United Nations Library Vienna

Im VIC arbeiten 800 UN-Mitarbeiter und Diplomaten. Die Aufgabe der Bibliothek ist es, diese Mitarbeiter bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Die UN-Mitarbeiter verfügen teilweise über Handbibliotheken vor Ort. Wenn nun ein Mitarbeiter seine Arbeit publizieren möchte, muss vorher geprüft werden, ob eine Veröffentlichung möglich ist. Zur Unterstützung ihrer Aufgaben steht den UN-Mitarbeitern ein mehrköpfiges Bibliotheksteam zur Seite. Die Bibliothek verfügt vor Ort über einen Bestand von 8000 Büchern. Darüber hinaus werden neben 50 Print-Abonnements auch elektronische Zeitschriften zur Verfügung gestellt. Der Bestand wird im Freihandbereich wie in jeder UN-Bibliothek nach der Universellen Dezimalklassifikation präsentiert. Seit 1993 werden UN-Dokumente in einer internen Datenbank erschlossen. Diese Publikationen sind über die Digitale Bibliothek verfügbar. Es wird seit 2015 die Open Source Software Invenio angewendet. Es gibt für diese Softwarelösung jedoch vor Ort keine technische Unterstützung. Es gibt in der UN zwischen 30 und 40 Bibliotheken. Im Rahmen der Zusammenarbeit findet 1mal im Jahr an wechselnden Tagungsorten eine Jahrestagung statt. Fernleihbestellungen sind innerhalb dieses Systems ebenfalls möglich. E-Mail-Anfragen dürfen gern eingereicht werden. Diese werden bearbeitet und i.d.R. werden entsprechende Dateien als Antwort versendet. Eine Benutzung der Bibliothek vor Ort muss mindestens 1 Woche vorher schriftlich angefragt werden und es muss ein begründetes Interesse für die Benutzung des Bestandes bestehen. Da der OPAC über das Internet verfügbar ist, muss die Recherche zunächst zu Hause erfolgen, vor Ort erhält man dann die benötigten Medien.

Die Bibliothek der Internationalen Atomenergie-Organisation befindet sich ebenfalls in der sogenannten UNO-City. Die International Atomic Energy Agency (IAEO) ist eine autonome wissenschaftlich-technische Organisation, die innerhalb des Systems der Vereinten Nationen einen besonderen Status innehat. Die IAEO ist keine Sonderorganisation der UN, sondern mit diesen vielmehr durch ein separates Abkommen verbunden. Sie berichtet regelmäßig der Generalversammlung der UN und darüber hinaus dem Sicherheitsrat der UN, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt. Die IAEO soll laut Satzung „den Beitrag der Kernenergie zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand weltweit beschleunigen und vergrößern“; sie soll also die Anwendung radioaktiver Stoffe und die internationale Zusammenarbeit hierbei fördern sowie die militärische Nutzung dieser Technologie (z. B. Proliferation von Kernwaffen) durch Überwachungsmaßnahmen („Safeguards“) verhindern. Für ihren Einsatz für diese Ziele wurde sie 2005 gemeinsam mit ihrem damaligen Generaldirektor Mohammed el-Baradei mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. © Wikipedia

Die Bibliothek der Internationalen Atomenergie-Organisation wurde wie die Organisation selbst 1957 gegründet. Zu den Services der Bibliothek gehört es, dass für die Benutzer tägliche, wöchentliche und monatliche Alerts zu relevanten Themen angeboten werden. Eine Dokumentenbestellung kann über ein entsprechendes Formular erfolgen. Bei einer Fernleihbestellung beträgt die Leihfrist für ein Medium 2 Wochen. Seit Anfang 2017 wird das die Open Source Software Encore als Discovery Tool verwendet. Neben dem Print-Bestand kann auf über 60 Datenbanken zugegriffen werden, u.a. das Web of Science oder ScienceDirect.

Nach dem Mittagessen fand sich die Studiengruppe in der Hauptbibliothek der Universitätsbibliothek der Universität Wien mit Frau Hofrätin Mag. Maria Seissl zur letzten Besichtigung ein.

Die Universitätsbibliothek der Universität Wien umfasst heute die Bestände der Hauptbibliothek und von 40 Fachbereichsbibliotheken an Standorten in ganz Wien. Organisatorisch ist sie mit dem Archiv der Universität Wien zur „Dienstleistungseinrichtung (DLE) Bibliotheks- und Archivwesen“ verbunden und dient als Informationskompetenzzentrum der Universität Wien ihren Forschenden, Lehrenden und Studierenden mit einer optimalen und aktuellen Informationsversorgung. © Wikipedia

Als das Gesetz zur Universitätsreform 2004 in Kraft trat, waren voll rechtsfähige Universitäten mit der freien Gestaltung ihrer Innenstruktur das Ergebnis. Die Universität Wien ist heute mit 100.000 Studierenden die größte Universität in Österreich.

Mit einem Bestand von 7 Millionen Büchern, 325.000 E-Books, 80.000 E-Journals, 7.400 Print-Journals und über 1.200 Datenbanken ist die Universitätsbibliothek Wien die größte Bibliothek Österreichs; gleichzeitig ist sie die älteste Universitätsbibliothek im deutschen Sprachraum (Gründung 1365). © bibliothek.univie.ac.at

Die E-Books stehen dabei über einen Verlagsserver zur Verfügung. Für die Abwicklung dieses Geschäftsganges gibt es ein E-Medien-Team. Zudem können u.a. über 100 Sammlungen zur Verfügung gestellt werden wie zum Beispiel eine Sammlung Frauennachlässe.

Die Benützung von Literatur in den Lesesälen ist für alle Personen auch ohne speziellen Bibliotheksausweis möglich. Ein Bibliotheksausweis ist erst erforderlich, wenn Bücher und andere Medien nach Hause entlehnt werden wollen. Die Schalterdienste an der Entlehntheke sowie das Ausheben der Magazinbestände werden durch ca. 100 Studentische Hilfskräfte abgedeckt.

Die UB verfügt über eine hauseigene Buchbinderei, diese nimmt aber keine Restaurationen von Büchern vor.

In der Vergangenheit wurden Bücher ohne Besitznachweisgekauft. Seit 2004 wird daher  Provenienzforschung als Projekt von einer Teilzeitstelle als Aufgabe wahrgenommen.

Im technischen Bereich ist die Bibliothekssoftware Alma am 21.08.2017 eingeführt worden.

Es werden zudem zusätzliche Aufgaben wahrgenommen wie zum Beispiel das Open Access Office, die Thematik Bibliometrie, der Dokumentenserver für die elektronischen Dissertationen, die Summer School und (zum Teil) die Plagiatsprüfung.

 

Die bibliothekarische Ausbildung ist in Österreich wie folgt gegliedert:

Lehrberuf: Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent/in (3 Jahre)

Unterrichtsdauer: geblockt 12 Wochen pro Schuljahr
Unterbringung: Lehrlingsheim

Ausbildungslehrgang Bibliothek, Information und Dokumentation

Zielgruppe: MitarbeiterInnen in wissenschaftlichen Bibliotheken
Zulassung: Pflichtschulabschluss und Anstellungsverhältnis an einer wiss. Bibliothek
Umfang: 240 UE = 18 SS, Blockunterricht
Abschluss: (Universitäts-)Zertifikat
Praxis: 28 Tage

Universitätslehrgang Library and Information Studies - Grundlehrgang

Umfang: 2 Semester zu insgesamt 30 SS / 60 ECTS
Abschluss: „Akademische/r Bibliotheks- und Informationsexperte/in“
Zulassung: Matura oder Studienbereichtigungsprüfung
Ablauf: Vollstudium
Lehrgangsgebühr: EUR 5.350,- (zuzgl. ÖH-Beitrag)
Berufspraxis. 45 Tage Berufspraxis im In- oder Ausland (14 ECTS)
Projekt: 20 Tage Anwendungsprojekt aus der Praxis (6 ECTS)

Masterlehrgang Library and Information Studies MSc

Umfang: 2-3 Semester zu insgesamt 30 SS, Master Thesis und Defensio, 60 ECTS
Abschluss: "Master of Science MSc" in Library and Information Studies
Zulassung: Absolvierter Grundlehrgang UND abgeschlossenes Hochschulstudium (min. 180 ECTS)
Ablauf: Berufsbegleitender Blockunterricht
Lehrgangsgebühr: EUR 4.350,- (zuzgl. ÖH-Beitrag)

Weiterbildung

- Bestandsmanagement in Bibliotheken und Informationseinrichtungen

- Bibliotheken führen    © www.bibliotheksausbildung.at

Zukünftige Themen werden für die Universitätsbibliothek das Forschungsdatenmanagement, der Umgang mit Meta-Daten, Data-Mining, Open Science, die European Open Science Cloud und generell die Digitalisierung bzw. Medialisierung sein.

Als Ausklang und zum gegenseitigen Austausch unternahm die Studiengruppe am letzten Abend ein gemeinsames Abendessen mit den Kollegen und Kolleginnen und Kollegen des Österreichischen Berufsverbandes.

Am Samstag erfolgte die gemeinsame Heimreise mit der Deutschen Bahn von Wien nach Hannover. Auf der Rückfahrt wurde die Gelegenheit zum Austausch über die vergangenen Tage noch einmal von allen Teilnehmern rege genutzt. [Text: © Corinna Spitzka]

Der BI-International hat diese Reise finanziell unterstützt und so diesen interkulturellen Fachaustausch gefördert.

Blick in den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

Das wohlgefüllte Themenkisten-Magazin des Bibliothekspädagogischen Zentrums

Der BiB-Bollerwagen am Hauptbahnhof Hannover

Die Hauptbücherei am Gürtel, die direkt über der U-Bahn-Station liegt



Sie befinden sich hier: 
bib-info.de / Landesgruppen / Niedersachsen und Bremen / Veranstaltungen / Rückblick / Rückblick Veranstaltungen / Wien

Niedersachsen und Bremen

Landesgruppen

Service

BIB Highlights

Bibliothekswelt

Ein BIB-Mitglied

  • Irmgard Schmitt
  • Foto von Irmgard Schmitt
    • VG WORT, München

Standardseiten