Berufsverband Information Bibliothek e.V.


Antwort des BIB-Vorsitzenden auf den Offenen Brief von Dr. Neubauer zur Zukunft der Bibliotheken

Lieber Herr Dr. Neubauer,

der 91. Deutsche Bibliothekartag in Bielefeld war mit seiner zukunftsorientierten Ausrichtung sowohl von den Themen als auch von einzelnen Elementen in der Struktur eine gelungene Veranstaltung und hat damit dazu beigetragen, noch stärker als bislang über die zukünftige Positionierung von Bibliotheken in der Informationsgesellschaft nachzudenken und dies konsequent in Strategien und Konzeptionen umzusetzen. Die Diskussion um die Zukunft der Bibliotheken, die Sie nochmals angestoßen haben, ist aus unserer Sicht zwangsläufig in den kommenden Jahren fortzuführen.

Wie einige Vorträge und auch Darstellungen bei den Bibliovisionen bewiesen, haben zahlreiche Bibliotheken die Auseinandersetzung über ihre zukünftige Funktion und ihre Leistungsangebote und Tätigkeitsbereiche offensiv aufgenommen. Nach unserer Einschätzung lässt sich derzeit zwar darüber debattieren und spekulieren, in welchem Verhältnis in der sich abzeichnenden Informations- und Wissensgesellschaft traditionelle Dienstleistungen und elektronische Serviceleistungen stehen beziehungsweise miteinander verwoben sein müssen. Ihre Auffassung aber ist durchaus zu teilen, dass hierfür veränderte Strukturen, insbesondere Infrastrukturen geschaffen werden müssen, um offensiv und den Erwartungen der Kunden entsprechend Informations- und Medienversorgung und -vermittlung betreiben zu können.

Werden diese Felder nicht von Bibliotheken besetzt, so steht uns nach meiner persönlichen Einschätzung, wie ich sie in meiner Eröffnungsrede kurz angeschnitten habe, eine noch stärkere Kommerzialisierung des Informationsmarktes bevor. Dann kann wahrhaftig von einer "Bibliothekskrise" oder gar von einem "Bibliothekssterben", das nicht von finanziellen Dilemmata herrührt, sondern auf einer Nicht-Marktakzeptanz basiert, gesprochen werden. Offensive Strategien und kontinuierlich neue Standortbestimmungen der Bibliothek in der Informationsgesellschaft werden notwendig sein, um nicht von der Informationsindustrie überrannt und möglicherweise gar obsolet gemacht zu werden. Der Mehrwert von Bibliotheken bei der Bewältigung der Informationsflut und deren Vermittlung ist intensiver herauszustellen.

Bedauerlich war gerade aus der Sicht des BIB als Veranstalter, dass Ihre auf der Pressekonferenz dargestellte Position mit der Akzentuierung auf den Strukturen von der Presse nur verkürzt mit dem halben Satz über die finanziellen Aspekte weitergegeben wurde. Wie Sie in Ihrem Offenen Brief zu Recht formulieren, ist mehr Geld für die Bibliotheken und deren Zukunft notwendig. Bei der finanzstrategischen Durchsetzung solcher Forderungen sollte allerdings, zuweilen aus lokalem Opportunismus der Durchsetzbarkeit, ein "Sowohl - als auch" möglich sein: sowohl Forderungen hinsichtlich einer Optimierung struktureller Rahmenbedingungen für die Bibliothek als Informationsvermittler als auch Forderungen nach einer besseren Ausstattung der Bibliotheken durch Bereitstellung elektronischer Zugänge und Beschaffung traditioneller Medien.

Der Berufsverband Information Bibliothek zeigt sich, das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen, zu einer offenen, zukunftsorientierten Diskussion jederzeit bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus-Peter Böttger
Vorsitzender



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