Virtueller BIB Sommerkurs | 2. - 4. September 2020

Miteinander reden. Demokratiekompetenz in Bibliotheken

Bibliotheken sind Begegnungsraum, neutrale, nicht-kommerzielle Orte und treten für eine offene und pluralistische Gesellschaft ein. Der Ausbau von Formaten der Bürgerpartizipation und des Community Buildings gehören so zunehmend zum Tätigkeitsspektrum. Das Modellprojekt von BIB und ‚Miteinander reden’ der Bundeszentrale für politische Bildung möchte gerade Bibliothekar*innen in kleineren Kommunen dabei unterstützen, lokale Partizipationsprozesse aktiv und bürgernah zu initiieren und zu gestalten.

Neben den Mitarbeitenden von kommunalen Bibliotheken können und sollen lokale Projektpartner am virtuellen Sommerkurs Demokratiekompetenz teilnehmen. Der Sommerkurs vermittelt Ihnen notwendige Kompetenzen, um demokratiepolitische Veranstaltungen anzudenken und in die Tat umzusetzen. Konkrete Anlässe werden dabei in den Fokus genommen, die teilnehmenden Bibliotheken sollen im Idealfall mit einer Projektskizze aus der Fortbildung gehen, mit der sie beispielsweise im Kontext des bundesdeutschen Tags der Bibliotheken (24. Oktober 2020), des Vorlesetages (19. November 2020) oder des Welttags des Buches (23. April 2021) erfolgreich eine Veranstaltung planen können.

Bei den geplanten Workshops orientieren wir uns u.a. an praktischen Erfahrungen aus verschiedenen Projekten sowie an Impulsen aus der Zusammenarbeit mit der Initiative offene Gesellschaft. Der virtuelle Sommerkurs ist mehr als ein klassischer Online-Vortrag, in dem die Teilnehmenden lediglich zuhören. Didaktische Konzepte, Workshops, die unterschiedliche Lerntypen ansprechen sind ebenso angedacht wie zahlreiche praktische Übungen. Die Teilnehmer*innenzahl bei Auftakt und Abschluss ist flexibel, bei den Arbeitsgruppen umfasst sie i.d.R. nicht mehr als 16 Personen. Technische Plattformen sind Moodle und BigBlueButton. Selbstverständlich bieten wir den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Plattformen vorab zu testen.

Registrieren Sie sich hier https://eveeno.com/229968436


Weitere Infos unter https://miteinanderreden.net


Beispielhafte Beiträge zu den Projekten finden Sie unter
https://b-u-b.de/diskussionsmacherinnen-sind-sexy-werkstattplus/https://bideutschland.de/de_DE/tdog2019
https://b-u-b.de/bausteinprinzip-zu-diskussionsformaten-im-oeffentlichen-raum-rueckblick-auf-den-dbt19/
https://b-u-b.de/tag-der-offenen-gesellschaft-stadtbibliothek-hilden-und-stadtbibliothek-grasbrunn-mit-an-bord-tdog19/
https://b-u-b.de/wp-content/uploads/TDOG_Karten_20190524.pdf

Konditionen für 4 Inhaltsblöcke zzgl. Auftakt- und Abschlussseminar

  • Freie Teilnahme:
    Teilnehmer*innen (Mitarbeitende von kommunalen, kleinstädtischen Bibliotheken, von Buchhandlungen, aber auch Vertreter*innen aus kommunalen Initiativen, aus Politik, Religionsgemeinschaften und bürgerschaftlichem Engagement) aus Orten und Städten unter 15.000 Einwohner*innen

  • 45 € für BIB-Mitglieder aus Kommunen über 15.000 Einwohner*innen

  • 90 € für Nicht-Verbandsmitglieder aus Kommunen über 15.000 Einwohner*innen

Jede zusätzliche 90min-Einheit wird mit 25 € berechnet.

BIB-Sommerkurs "Miteinander reden" - Programm

Achtung: 4 Inhaltsblöcke sind in der Anmeldung zzgl. zu Auftakt- und Abschlussseminar sowie den Virtuellen Get-together an den Abenden inbegriffen.

  Mittwoch, 2. September Donnerstag, 3. September Freitag, 4. September
09:30 - 11:00 Gemeinsamer Auftakt Grundlagen der Demokratiepädagogik (Einführung) Rassismus begegnen (Teil 2)
    Fake News und Halbwahrheiten Fake News in Bibliotheken
      Gesprächsworkshop (Teil 1)
11:30 - 13:00 Rassismus begegnen (Teil 1) Literatur an den Rändern Sexismus und Homophobie begegnen (Teil 2)
  Grundlagen der Demokratiepädagogik(Einführung) Erkennungsmerkmale antidemokratischer oder extremistischer Organisationen Gesprächsworkshop (Teil 2)
14:00 - 15:30 Partnerschaften managen Grundlagen der Demokratiepädagogik (Ausgewählte Aspekte) Gemeinsamer Abschluss
  Chemnitz spricht Muslimfeindlichkeit begegnen  
16:00 - 17:30 Antisemitismus begegnen Sexismus und Homophobie begegnen (Teil 1)  
  Grundlagen der Demokratiepädagogik (Ausgewählte Aspekte) Out-Going-Formate durchführen  
18:00 Virtuelles Get-together Virtuelles Get-together  

Programm als PDF

Abstracts

Mittwoch, 2. September

9.30 – 11.00

gemeinsamer Auftakt

11.30 – 13.00

  • Rassismus begegnen | Teil 1
    Was ist eigentlich “Rassismus”? Wo begegnet er uns im Alltag und wie können wir antirassistisch handeln? Der Workshop bietet eine interaktive Diskussion über Rassismus in Deutschland und regt dazu an, persönliche Handlungsempfehlungen im persönlichen Umfeld und mögliche Konzepte für Ihre Bibliothek zu entwickeln. Diskutieren Sie mit!
    Referent*innen: Isabel Elsner, Casandra Hennes und Elvira Wagenleitner, TH Köln
  • Grundlagen der Demokratiepädagogik | Einführung
    "Bibliotheken sind Orte gelebter Demokratie" - so schreibt es der dbv und verweist auf Art. 5 des Grundgesetzes. Was aber bedeutet es im Alltag demokratisch handeln zu wollen oder gar zu müssen? Welche Ebenen des demokratischen Handelns kann man unterscheiden und wie wirken sie? Dieses Seminar soll einen kurzen Einblick in demokratiepädagogische Handlungs-empfehlungen und deren Denkweisen geben.
    Referent: Peter Jobmann, Buxtehude

14.00 – 15.30

  • Partnerschaften managen
    Bibliotheken sind in ihrem Umfeld meist gut vernetzt und offen für ganz unterschiedliche Partnerschaften. So schön das ist: Wie geht man etwas strategischer und konzeptionell unterfüttert an Kooperationen ran? Wir schauen uns Tools und Schritte an, die dabei unterstützen. 
    Referentin: Prof. Cornelia Vonhof, HdM Stuttgart
  • Chemnitz spricht
    Menschen wieder zusammenzubringen und zum Miteinander-Reden zu bewegen, verfolgt die Chemnitzer Freie Presse mit ihrem Workshop-Format „Chemnitz diskutiert“. Angefangen hat alles, als eine Stadt drohte auseinanderzubrechen. Mandy Fischer schildert Erfahrungen mit dem Projekt und überlegt mit Ihnen, wie Debattenformate nicht nur in Bibliotheken umgesetzt werden können.
    Referentin: Mandy Fischer, Chemnitzer Freie Presse

    16.00 – 17.30

    • Antisemitismus begegnen
      Wie aktuell ist Antisemitismus in der heutigen Zeit? Welche Vorurteile begegnen uns im Alltag? Diese Problematik wird in einem interaktiven Diskurs thematisiert, gemeinsam mit den Teilnehmer*innen werden Handlungsmöglichkeiten erarbeitet.
      Referentinnen: Jil Blum und Julia Ehlert, TH Köln
    • Grundlagen der Demokratiepädagogik | Ausgewählte Aspekte
      Aufbauend auf den ersten Teil wird aufgezeigt, dass es im persönlichen, kollegialen und institutionellen Alltag Machtgefälle gibt, die uns beeinflussen. Im Ergebnis soll das Seminar im zweiten Teil ermutigen, offen mit dem eigenen Handeln nach außen zu treten, in die Teams, die Verwaltungen und zu den BürgerInnen.
      Referent: Peter Jobmann, Buxtehude

    18.00

    Virtuelles Get-together 

    Donnerstag, 3. September

    9.30 – 11.00

    • Grundlagen der Demokratiepädagogik | Einführung
      "Bibliotheken sind Orte gelebter Demokratie" - so schreibt es der dbv und verweist auf Art. 5 des Grundgesetzes. Was aber bedeutet es im Alltag demokratisch handeln zu wollen oder gar zu müssen? Welche Ebenen des demokratischen Handelns kann man unterscheiden und wie wirken sie? Dieses Seminar soll einen kurzen Einblick in demokratiepädagogische Handlungsempfehlungen und deren Denkweisen geben.
      Referent: Peter Jobmann, Buxtehude
    • Fake News und Halbwahrheiten | Einführung
      Ob über den publizistischen Mainstream oder Alternativmedien, Suchmaschinen oder Social Media – die Bemühungen unterschiedlichster Akteure, Einfluss auf die Meinungsbildung zu nehmen, sind allgegenwärtig. Die Reichweite und Geschwindigkeit, mit der Falschmeldungen, Gerüchte und Verschwörungstheorien heute verbreitet werden, erschweren es zusätzlich, schnell und fundiert Urteile über falsche und richtige Informationen zu fällen. 
      Im Kurs werden Instrumente vermittelt, Daten belastbar zu überprüfen und die Sie an Jugendliche weitervermitteln können.
      Referent: Volker Siefert, Journalist, basierend auf Kursen der Akademie für kulturelle Bildung

    11.30 – 13.00

    • Literatur an den Rändern
      Nach einem Input-Video-Beitrag von Kristin Grantz, HAW Hamburg, über rechte Literatur und deren Kontextualisierung diskutieren wir über aktuelle Fallbeispiele wie Attilla Hildman, die Bitch Bible und andere Titel und Autor*innen von ‚Literatur an den Rändern‘.
      Referent*innen: Kristin Grantz, HAW Hamburg und Tom Becker, TH Köln
    • Antidemokratisches Verhalten
       Kooperationen setzen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit voraus. Sie möchten niemandem Unrecht tun, befürchten aber, dass der Verein, mit dem Sie zusammenarbeiten möchten, hinter seiner demokratischen Fassade antidemokratisches Gedankengut verbreitet oder ein Geschlechterbild unterhält, das Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht abspricht. Wie können Sie vermeiden, auf geschickt komponierte und professionell visualisierte Fehlinformationen hereinzufallen?
      Referent: Volker Siefert, Journalist, basierend auf Kursen der Akademie für kulturelle Bildung

    14.00 – 15.30

    • Grundlagen der Demokratiepädagogik | Ausgewählte Aspekte
      Aufbauend auf den ersten Teil wird aufgezeigt, dass es im persönlichen, kollegialen und institutionellen Alltag Machtgefälle gibt, die uns beeinflussen. Im Ergebnis soll das Seminar im zweiten Teil ermutigen, offen mit dem eigenen Handeln nach außen zu treten, in die Teams, die Verwaltungen und zu den BürgerInnen.
      Referent: Peter Jobmann, Buxtehude
    • Muslimfeindlichkeit begegnen
      Wie aktuell ist Muslimfeindlichkeit in der heutigen Zeit? Welche Vorurteile begegnen uns im Alltag? Diese Problematik wird in einem interaktiven Diskurs thematisiert, gemeinsam mit den Teilnehmer*innen werden Handlungsmöglichkeiten erarbeitet.
      Referentinnen: Jil Blum und Julia Ehlert, TH Köln
       

    16.00 - 17.30

    • Sexismus und Homophobie begegnen | Teil 1: Schwerpunkt Sexismus
      Was heißt eigentlich Sexismus? Wie gehe ich damit um, wenn mir im (Berufs-)Alltag sexuelle Diskriminierung oder sogar geschlechtsbezogene Gewalt begegnet? Wie reagiert man am besten auf Trolle und Hate Speech im Netz? Dieser Workshop lädt zur Auseinandersetzung und Diskussion ein: Neben dem Hinterfragen der eigenen Haltung werfen wir gemeinsam einen Blick auf mögliche Argumentations- und Aktionsebenen.
      Referent*innen: Sibylle Hedtke und Julius Uhrmacher, TH Köln
    • Out-Going-Formate kennenlernen und durchführen
      Ein dutzend partizipative Diskussionsformate, die von TH Studierenden erarbeitet und teils in der Praxis erprobt worden sind, werden nicht nur vorgestellt – vielmehr wird gemeinsam überlegt, welche dieser Formate wie von Ihnen umgesetzt werden können.
      Referent*innen: Prof. Dr. Tom Becker, TH Köln und Yvonne Fischer, Stadtbibliothek Mönchengladbach

    18.00

    Virtuelles Get-together 

    Freitag, 3. September

    9.30 – 11.00

    • Rassismus begegnen | Teil 2
      Was ist eigentlich “Rassismus”? Wo begegnet er uns im Alltag und wie können wir antirassistisch handeln? Der Workshop bietet eine interaktive Diskussion über Rassismus in Deutschland und regt dazu an, persönliche Handlungsempfehlungen im persönlichen Umfeld und mögliche Konzepte für Ihre Bibliothek zu entwickeln. Diskutieren Sie mit!
      Referent*innen: Isabel Elsner, Casandra Hennes und Elvira Wagenleitner, TH Köln
    • Fake-News in Bibliotheken
      Wie können Bibliotheken als Informationsprofis der Verbreitung von Fake News oder Verschwörungserzählungen effektiv entgegenwirken?
      Referentin: Claudia Holzmann, Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken
    • Gesprächsworkshop | Teil 1
      Wie können wir Gespräche auf Augenhöhe mit fremden Menschen führen? Wir erzählen aus unseren Gesprächen in strukturschwachen Gebieten mit Menschen auf der Straße und an der Haustür. Was braucht es, um den Reflektionsprozess in anderen Menschen anzuregen - auf dem schmalen Grat zwischen belehren und bewegen. Wir erarbeiten mit euch einen individuellen Gesprächsleitfaden und geben Methoden und Werkzeuge an die Hand, die es für ein gutes Gespräch braucht.
      Referent*innen: Hans Henniger und Malena Knierim, gesellschaftsdenken.org

    11.30 – 13.00

    • Sexismus und Homophobie begegnen | Teil 2: Schwerpunkt Homophobie 
      Was ist Homophobie eigentlich genau? Warum reden wir so wenig über Homophobie, wenn sie auch heute noch weit verbreitet in der Gesellschaft ist?  Dieses Webinar gibt einen kleinen Einblick in die Welt, der durch Homophobie betroffenen Personen. Außerdem werden Handlungsempfehlungen ausgesprochen, wie “Ich” mit Homophobie umgehen kann und warum “Homo” eigentlich ganz natürlich ist.
      Referent*innen: Sibylle Hedtke und Julius Uhrmacher, TH Köln
    • Gesprächsworkshop | Teil 2

      Aufbauend auf dem ersten Workshop wollen wir das Gelernte nutzen, um auf Parolen und Argumentationsmuster einzugehen und in Gesprächssituationen anzuwenden. Anschließend werden wir die Gespräche mit euch reflektieren und auswerten.  Zum Schluss wollen wir eure Linien und Grenzen ausloten: Wie können wir eine Gesprächskultur einfordern und unsere Grenzen respektieren?

      Referent*innen: Hans Henniger und Malena Knierim, gesellschaftsdenken.org

    14.00 – 15.30

    gemeinsamer Abschluss

    Bibliotheken begegnen gesellschaftlichen Herausforderungen

    Ein Bericht über den Sommerkurs

    Bibliotheken sind offene Orte für alle. Sie dienen mehr als dem Aufenthalt, der Information oder dem Vergnügen. Bibliotheken sind Orte der Begegnung für eine offene Gesellschaft. Diesem Umstand begegnen Bibliotheken mit einer breiten Palette an Veranstaltungen. Um Bibliotheksmitarbeitende zu befähigen auch Veranstaltungen anzubieten, bei denen Menschen unterschiedlicher Ansichten zusammenkommen, bewarb sich der BIB erfolgreich beim »Ideenwettbewerb Miteinander Reden« und konnte mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung den Sommerkurs im September digital durchführen.

    MITEINANDER REDEN – Gespräche gestalten – Gemeinsam handeln

    Der Ideenwettbewerb für Akteure in ländlichen Räumen, über den der BIB seine Weiterbildungsangebote rund um Demokratiekompetenz finanziert, wird von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) getragen, unterstützt vom Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten, vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, von der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume und vom deutschen Volkshochschul-Verband (vgl. Projekt-Homepage MITEINANDER REDEN). Die bildungspolitische Intention des Projektes stand somit von vornherein fest, im Projektantrag des BIB aus dem Jahr 2018 hieß es entsprechend:
    »Bibliotheken eignen sich als Begegnungsraum, da sie neutrale, nicht-kommerzielle Orte sind und für eine offene und pluralistische Gesellschaft eintreten. Als solche stellen sie reale, vertraute Treffpunkte dar, die zu ›Arenas of Debate‹, wie sie in den skandinavischen Ländern durch die kommunalen Bibliotheken bereits geboten werden, weiterentwickelt werden können.«
    Als der BIB 2019 Drittmittel in Höhe von 12 000 Euro bewilligt bekam, um entsprechende Diskussionsformate zur Demokratievermittlung gemeinsam mit lokalen Kooperationspartnerinnen und -partnern (weiter) zu entwickeln, galt es, eine große Herausforderung zu bewältigen: Das Programm der bpb richtet sich in erster Linie an Kommunen mit weniger als 12 000 Einwohner/-innen. Die Schwierigkeit für uns bestand darin, dass es in Deutschland in entsprechenden Gemeinden deutlich weniger als 3 000 hauptamtlich geleitete Bibliotheken gibt.
    Auch wenn – und das zeigen viele Gespräche in den vergangenen Wochen und Monaten – gerade auch die kleinen Institutionen den Auftrag sehr ernst nehmen, mit ihrem Medien- und Veranstaltungsangebot zur Meinungsbildung, Informationssouveränität und Mündigkeit der Bürger/-innen beizutragen, gestaltete es sich bis Frühsommer 2020 als nicht realisierbar, ausgebuchte Weiterbildungen vor Ort zu organisieren. Geplante Qualifizierungsmaßnahmen in Frankfurt, Rostock, Karlsruhe oder Penzberg mussten abgesagt werden; Veranstaltungen im Rahmen von anderen Tagungen wie dem Forum Bibliothekspädagogik in Leipzig oder mit der Kulturstiftung des Bundes in Würzburg dagegen fanden reges Interesse. Eine schwierige Gemengelage, die sich uns als Veranstalter und auch unseren zuverlässigen Kooperationspartnerinnen und -partnern aus den Fachstellen in ihrer Dynamik nicht wirklich erschließt.

    Covid-19 als Chance – der Sommerkurs wurde virtuell

    Neben den Schwierigkeiten, Vor-Ort-Angebote realisieren zu können, machte Covid-19 weitere geplante Veranstaltungen ab Frühjahr 2020 unmöglich. In der Absage aller weiteren physisch geplanten Seminare lag zugleich eine Chance: Auch der sonst mehrtägige, physische Sommerkurs des BIB – geplant zu historischen Beständen – konnte nicht stattfinden, und so wurden freie Kräfte gebündelt und das gestartete Projekt Miteinander Reden – Demokratiekompetenz in Bibliotheken kurzer Hand ins Virtuelle verlagert.
    Das nun modifizierte Angebot folgte dem Ansatz, 90-minütige Microlearning-Formate, die größtenteils interaktive Elemente umfassten, zur Auswahl anzubieten: Vom 2. bis 4. September konnten die Teilnehmenden so aus 19 verschiedenen Modulen rund um das Thema Demokratie Gesprächs- und Mitmachveranstaltungen wählen. Die Module fanden zu unterschiedlichen Zeiten statt, in jedem Zeitslot wurden mindestens zwei parallellaufende Module à 90 Minuten angeboten – umrahmt von einem gemeinsamen Auftakt und Abschluss sowie einem abendlichen virtuellen Get-together (siehe dazu auch diese Abbildung).

    Der modulare Aufbau brachte einige Vorteile für die Teilnehmenden gegenüber einem physischen Kurs mit sich. Sie konnten zeitlich und inhaltlich flexibel Module auswählen und somit zeitlich und ortsunabhängig am Onlineseminar teilnehmen. Dabei kam technisch eine Kombination aus Lernmanagementsystem und Videokonferenzsoftware zum Einsatz, wodurch während und nach dem Sommerkurs Inhalte zur Verfügung gestellt werden, auf die auch später zurückgegriffen werden kann.
    Das breite Programm des Sommerkurses beinhaltete einführende Kurse zur Demokratiepädagogik und zum Partnerschaftsmanagement sowie Workshops.
    Inhaltlich ging es darum: Wie kann eine offene Gesellschaft aussehen? Wie erfahren wir, was andere bewegt und wie ihre Ansichten aussehen? Was ist Diskriminierung und wie kann ihr erfolgreich begegnet werden – persönlich und als Institution? Was ist und was kann »Demokratiepädagogik«?
    Das breite Programm des Sommerkurses beinhaltete einführende Kurse zur Demokratiepädagogik und zum Partnerschaftsmanagement sowie Workshops, in denen es anknüpfend an theoretischen Inputs zu (Anti-)Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie vor allem darum ging, Handlungsoptionen zu erarbeiten. Vermittelt wurde ebenso grundlegendes Rüstzeug für ein souveränes Agieren im Kontext von Fake News, Halbwahrheiten und Literatur an den Rändern sowie Methodenkompetenz zu partizipativen Diskussionsformaten und Out-Going-Konzepten.
    Die Teilnehmenden lernten so nicht nur, sich selbst zu reflektieren und »anders« – sensibilisierter – auf sich, ihre Bibliothek und ihre Angebote zu schauen, sie lernten auch neue Wege kennen, Gespräche anzuleiten, Gesprächsanlässe und -räume zu schaffen und dabei Vernetzung über die kommunalen Strukturen hinaus weiter zu denken. Letzter Punkt ist bei Veranstaltungen im Bereich Demokratie und Gesprächskultur sehr wichtig, da diese sehr gut mit regionalen Partnern durchgeführt werden können. Bibliotheken sollten sich ihrer guten Vernetzung bewusst sein, sie ausbauen und perspektivisch pflegen.

    Ausblick

    Viel zu schnell vergingen die drei Tage. Trotz des rein virtuellen Kennenlernens entstanden intensive, offene Gespräche, die teils während der Module teils beim abendlichen Get-together geführt wurden. So lag der Wunsch am Ende nahe, sich auch zukünftig zu vernetzen und auszutauschen. Da auch in den nächsten Wochen physische Treffen eher unwahrscheinlich sind und die Teilnehmenden aus unterschiedlichen Bundesländern stammten, wurde ein virtueller »Demokratietreff« initiiert, der offen ist für alle Interessierten an demokratiepolitischer Veranstaltungsarbeit.
    Zudem wird eine virtuelle Folgeveranstaltung mit bekannten und neuen Inhalten für Februar 2021 geplant: Bei »Miteinander Reden – Demokratiekompetenz in Bibliotheken light« widmen wir uns erneut dieser anspruchsvollen Thematik. Wir freuen uns über rege Teilnahme und Anregungen!

    Dr. Tom Becker ist Professor an der TH Köln und Mitglied im BIB-Bundesvorstand;
    Karin Langenkamp ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn (BIBB) und leitet die Kommission für Fortbildung im BIB / 16.12.2020